Von Rolf Diekhof

Der vorerst noch vorletzte Ford-Generaldirektor Hans Adolf Barthelmeh gab sich Anfang Juni ungebrochen optimistisch: Ein neuer „Produktions- und Absatzrekord“ in diesem Jahr galt ihm als sichere Sache. Ende Juli mußte der Optimist die Chefetage in Köln räumen. Hauptgrund für die Verstimmung zwischen Arbeitgeber Henry Ford II. und seinem deutschen Statthalter – „unqualifizierter Optimismus“ auf seiten des Deutschen.

Barthelmehs Nachfolger Hans Schaberger renommierte noch im September mit einer Produktionssteigerung von zehn Prozent, doch in der vorigen Woche mußte Schaberger die Notbremse ziehen. In der letzten Novemberwoche dürfen 7000 Fordwerker nur noch kurzarbeiten, zur Jahreswende werden zwischen Weihnachten und Neujahr ein paar Produktionstage ausfallen, für Januar und Februar droht noch mehr Kurzarbeit.

Ursache der Ford-Misere ist die jüngste und teuerste Kreation des Hauses: Die Modellreihe „Consul/Granada“, die 1972 mit großen Erwartungen auf den Markt geschickt wurde. Doch die voluminösen Ministraßenkreuzer der Kölner quälten sich vom Start weg nur mühsam über die Runden. Die auf rund 800 Exemplare täglich ausgelegte Fließbandkapazität mußte schon bald heruntergefahren werden.

Trotz zurückgenommener Produktion stauten sich seit dem Spätsommer Consuln und Granadas auf den Standflächen des Werkes und in den Höfen der Fordhändler. Fords Flaggschiffe ließen sich in Deutschland und im Ausland nur noch in kleinen Portionen absetzen. Zuletzt liefen in Köln nur noch täglich 450 der Prestigemobile vom Fließband.

Aber auch die fast halbierte Produktion mochte Ford-Chef Schaberger nicht länger verantworten, als die Verkaufszahlen für den Monat Oktober auf den Tisch kamen. „Im Augenblick“, so kommentiert Ford-Sprecher Gab das katastrophale Oktoberergebnis, „kauft einfach niemand Mittelklasseautos.“ Dem abstinenten Trend trägt Ford mit Kurzarbeit Rechnung. Die anvisierte Minderproduktion von etwa 5000 Fahrzeugen entspricht dem Consul/Granada-Inlandsabsatz von zwei Monaten.

Kaschieren ließ der Vorstand seine Krisenmaßnahme mit Hinweisen auf die „Bonner Restriktionspolitik“ und „Auswirkungen, die die energiepolitische Krise auch für den Automobilmarkt haben wird“. „Wir“, so prognostizierten die Kölner gar, „werden ganz bestimmt nicht die letzten sein, die in der deutschen Automobilindustrie Kurzarbeit anmelden.“