Bundesminister Egon Bahr sagte In einem Interview mit dem Norddeutschen Rundfunk:

„Es ist überhaupt kein Zweifel, daß die DDR im Augenblick dabei ist, ihren Kurs zu verschärfen, und das bedeutet, daß sie die Vereinbarungen, sagen wir einmal, strapaziert, die getroffen worden sind ... Das, was der erste Mann der SED sagt, soll man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Das wäre falsch. Aber deshalb sage ich wirklich mit gleichem Ernst, daß es nicht an der SED liegt und daß es nicht Sache der DDR ist, über Fragen der Bundespräsenz in Westberlin zu urteilen. Sondern die Vier Mächte haben ein Abkommen geschlossen in voller Kenntnis dessen, was an Bundesbehörden in Westberlin ist, und das Viermächteabkommen bedeutet, daß keine der Bundesbehörden veranlaßt worden ist oder veranlaßt werden mußte, Berlin zu verlassen...

Die Vier Mächte haben ganz vorzüglich verhandelt, und das Ergebnis ist ein sehr gutes. Es gibt nur bei so wichtigen Dingen Rahmenabkommen. Sie können nicht sämtliche theoretischen und später praktisch werdenden Fälle in den Jahren vor uns schon im voraus regeln. Sie können nur ein Rahmenabkommen schaffen, d. h., daß ein solches Abkommen sich in der Praxis bewähren muß. Und man muß sagen, daß es sich in den zwei Jahren, in denen es existiert, im Grunde hervorragend bewährt hat, denn der Verkehr auf den Wegen zwischen Westberlin und der Bundesrepublik läuft glänzend, die Besuche finden statt von Westberlinern, und die Frage der Vertretung Westberlins nach außen durch die Bundesrepublik läuft im großen und ganzen auch gut ...

Von einer Zerreißprobe kann überhaupt keine Rede sein. Das können Sie schon daraus entnehmen, daß die vier Mächte es bisher nicht für notwendig gefunden haben, in eine förmliche Konsultation einzutreten, die ja vorgesehen ist, wenn es ernsthafte Schwierigkeiten gibt. Wenn die DDR ihren Kurs weiter verschärft, kann ich natürlich nicht ausschließen, daß eine Situation kommt, in der die drei Mächte der Sowjetunion sagen: Hier ist Gefahr im Verzug ...

Ich meine, da es sich auf die Dauer nicht auszahlen wird für die DDR, gegen den Geist von Abreden zu verstoßen. Und daß sie hier (d. h. bei der Verdoppelung der Zwangsumtauschgebühren) gegen den Geist einer Abrede verstoßen hat, darüber kann es überhaupt keinen Zweifel geben ...

Ich habe an diesem Donnerstag das 75. Treffen mit Herrn Kohl gehabt. Es ist zwar keine runde Zahl, aber trotzdem eine Jubiläumszahl. Ich habe das Gefühl, daß wir in drei Jahren eine ganze Menge geschafft haben, und Sie werden sicher Verständnis dafür haben, daß ich mich anderen Aufgaben zuwende als Minister.“