In stiller Vornehmheit, entkräftet, hilflos, aber meist gefaßt und unerschütterlich sitzen und stehen die Herrschaften des Edward Gorey herum, nehmen den Dauerbesuch (siebzehn Jahre) eines unverschämten Fabelwesens hin, die Spuren rätselhafter Unglücksfälle oder Schreckenstaten und überhaupt: die Grausamkeit der Stärkeren. Der neue Auswahlband – sehr elegant und schwer zu halten – ist wieder ein Fest der Komik und der Schwermut. Ganz neu, für deutsche Abnehmer, sind von den elf Geschichten zwei, die beiden farbigen Tiergeschichten, aber die Tierchen sind wenig lieb. Eine Fähigkeit des schreibenden – und durchweg mit Talent und Spieltrieb übersetzten

– Gorey kommt in dieser Sammlung wunderbar heraus: sein Sinn für alleredelstes Kulturgehabe, für die Spitzendarbietungen des Snobismus. Er hat seinem Romancier – dem mit dem rechteckigen, flachen Kopf des Terriers oder Krokodils – „das Tedeum von Giovanni Battista Cavallerischi“ geschenkt und seiner Ballerina, deren Leben eher monoton verläuft, den Solopart als „Papillon Entragé“ in Golopines „Jardin de Regrets“. (Edward Gorey: „Der zweifelhafte Gast – Elf merkwürdige Bildergeschichten“, aus dem Amerikanischen von Wolfgang Hildesheimer, Hans Manz, Fridolin Tschudi, Dieter E. Zimmer; Diogenes Verlag, Zürich 250 S., 29,80 DM.) Christa Rotzoll