ARD, Montag, 12. November: „Es gibt Tage, da fühle ich mich nutzlos“, von Wilma Kottusch

Leeren Blickes rekelt sich eine weißgerundete Dame auf einer Felldecke – Prostitution der Frau unmißverständlich symbolisierend. Ehefrauen, Witwen und Geschiedene mit und ohne Kinder plaudern von Selbstverwirklichung und -aufgabe, Schuldgefühlen, Familie, Beruf, Job. Verheiratete Männer (drei) fassen ihre Bedenken mühsam in Worte. Eine Teilzeitarbeitsvermittlung führt ihr Gruselkabinett vor, Frauen, die ihren Steckbrief in die Kamera sprechen – Arztfrau, 35, möchte ein bißchen Taschengeld. So bot sich in unfreiwilliger Nutzlosigkeit dar, was vielleicht ein Bericht über halb resignierte, halb zum Beruf entschlossene Hausfrauen und Mütter sein sollte.

Schade, daß eine Frau diesen Eintopf gekocht hat. Ohne erkennbaren Zusammenhang, ohne erkennbares Prinzip wurde einfach alles Mögliche zusammengerührt: die Probleme einer Frau, die frisch geschieden oder verwitwet und ohne Berufsausbildung plötzlich zwei kleine Kinder versorgen muß, neben der recht unartikulierten Unzufriedenheit von Hausmüttern, die aus unterschiedlichen Gründen nach Beruf oder Job streben, neben Gesprächen über Persönlichkeitsentfaltung in Familie und Beruf und die Sorgen des Alterns.

Alles, was dabei herauskam, war: Die Männer – übrigens lauter nicht ernst zu nehmende, egoistische Hampelmänner – sind an allem schuld. Sie helfen nicht im Haushalt und haben sowieso kein Verständnis.

Ein bißchen mehr Selbstbewußtsein und Selbstverständnis hätte man von der Autorin eines solchen Films erwartet, ebenso wie ein paar Informationen. Wie viele Männer wünschen tatsächlich nicht, daß ihre Frau einen Beruf ausübt? Wie viele Frauen werden tatsächlich von ihren Männern oder Familien daran gehindert, einen Beruf auszuüben? Wieso erwarten Frauen vom Beruf so etwas wie Selbstverwirklichung? Erwarten Männer eigentlich dasselbe? Wie groß ist der Anteil der Hausfrauenarbeit am Bruttosozialprodukt?

Es ist höchste Zeit, daß Frauen, wenn sie von Emanzipation und Beruf reden, diesen Ton der beleidigten Leberwurst ablegen. Sie wollen doch ernst genommen werden?

Katharina Zimmer