In der achten Fortsetzung seiner Weltreiseberichte schildert Jörg Hand Beobachtungen auf seinem Ausflug von Ambato in Ekuador nach Riobamba und seinen vergeblichen Versuch, auf die Galapagos-Inseln zu kommen.

Von Ambato in 2600 Meter Höhe schütteltdich der Bus recht bald auf null hinab imPetroleum-Osten, zuerst durch wilde feuchte Schluchten, in denen reißende Wasser schäumen, dann an der Stelle vorbei, wo letzte Nacht der Bus 200 Meter abgestürzt ist (die Morgenzeitung berichtete von den Leichenfeldern!), dann über rauhe Pisten durch das Petroleum-Barackenkaff mit dem sinnigen Namen Shell Mera, dann durch lichten Hügelurwald an Rodungen entlang mit Pflanzerhütten. Das Drecksträßchen endet auf dem Dorfplatz von Misahualli neben dem zerrissenen Volleyballnetz. Vorletzter Siedlungsposten auf der Karte, und dahinter dünstet der Wald und rauscht der Rio Napo dem Amazonas entgegen. Von hier per Boot nach Coca.

Am Kiesstrand liegen die langen Einbaumkanus. Wenn zehn Leute zusammen sind, wird das Kanu klargemacht, Rucksäcke und Hühner kommen auf Haufen in die Mitte, das zerbeulte Benzinfaß für den Außenbordmotor ragt bedenklich über den Schwerpunkt. Mit Bambusstangen wird durch die ersten Stromschnellen gestakt. Dann zieht die verfilzte Doppelmauer des Waldes vorbei. Lianen und Flechten zum Wasser herunter. Moosig glitschige Schwemmbäume spießen vor Sandbänken. Spritzwasser und schüttelnde Ritte durch Stromschnellen. Hütten hinter Palmblättern: Leute, Hühner und Ballen werden abgesetzt. Schwarze Kinder seifen sich nebenan ab.

Der Fluß wird breit wie der Rhein. Tom Sawyer angelt selbstvergessen auf winzigem Floß. Nach fünf Stunden kommt auf hohem Lehmufer das Wildostnest Coca. Die Fahrt kostet dich vier Dollar. Orchideen und Blasrohr-Indios sowie Papagei und Jaguar sind allerdings der Öl- und Siedlerfront gewichen oder brauchen leider mehr Amazonas als hier.

Antisana, Cotopaxi und über Riobamba mäßig breit der Schneeblock des Chimborazo: Sie thronen greifbar nahe wie in den blendend blauen Himmel gestochen. Gleißende Magnete über abweisend braunem Bergland. Und sehr deutsch und sehr klassisch, unser Humboldt konnte ihrem Locken nicht widerstehen. Ich hätte recht gern in ein paar seiner Fußstapfen getreten, hab’ es aber der japanischen Seilschaft mit den Stürmerwaden überlassen. Es gibt viele „Hotels“ im Umkreis, die eisigkaltes Wasser, kreischende Bettgestelle und unbeschreibliche Abtritte mit Humboldts wohlgelittenem Markennamen aufschönen.

Am nächsten Tag die berühmte Eisenbahnfahrt von Riobamba nach Guayaquil, vorbei an herrlichen Bahnhöfen mit malerischen Indiofamilien. Das Wetter ist so schön, daß man auf dem offenen Waggon fahren kann.

Von Guayaquil wollte ich mit dem 20-Dollar-Militärflugzeug auf die Galapagos-Inseln. Ich wollte, ich hab’s aber nicht geschafft.