Die deutschen Apologeten des Militärputsches in Chile sind, zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod von Staatspräsident Allende, in außerordentliche Bedrängnis geraten. Die Welt hatte zwei Tage nach dem Umsturz geschrieben: „Chiles Militär wollte in letzter Sekunde die Essenz der Verfassung retten.“ Die Frankfurter Allgemeine war sich schon einen Tag zuvor sicher: „Im Augenblick der höchsten Gefahr konnten sich die Streitkräfte ihrer Verantwortung nicht länger entziehen.“

Inzwischen weiß jedermann, was in Chile wirklich geschehen ist: Die Militärjunta hat das Parlament aufgelöst und sämtliche Rechte des demokratisch gewählten Staatspräsidenten per Verwaltungsakt auf sich übertragen. Die Verfassung ist aufgehoben.

Da bleibt, so scheint es, wenig zu verteidigen. Doch weit gefehlt: Nun erfahren wir endlich, worin das todeswürdige Verbrechen Allendes und damit die Rechtfertigung des Militärputsches eigentlich bestand: Der Präsident habe das Privateigentum chilenischer Grundbesitzer unter Verstoß gegen die Verfassung angetastet.

Dieser Vorwurf müßte sich auch im nachhinein noch prüfen lassen. Doch leider war in den Zeitungen vom selben Tage zu lesen, daß die Junta den chilenischen Verfassungsgerichtshof aufgelöst hat: Er sei überflüssig geworden, weil er seine wichtigste Aufgabe, die Schlichtung von Streitigkeiten zwischen dem – toten – Präsidenten und dem – aufgelösten – Parlament, nicht mehr wahrnehmen könne. H. Sch.