DIE ZEIT

In Bedrängnis

Die deutschen Apologeten des Militärputsches in Chile sind, zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod von Staatspräsident Allende, in außerordentliche Bedrängnis geraten.

Nobles Beispiel

Bundespräsident Gustav Heinemann darf Respekt erwarten, wenn er sich dem Wunsch nach einer Verlängerung seiner Amtszeit versagt.

An die ZEIT-Leser

Noch vor wenigen Wochen glaubten wir, den alten Preis mindestens ein weiteres halbes Jahr halten zu können. Aber in diesen Tagen mußten wir die Rechnung aufmachen: Die Papierpreise sind um etwa 20 Prozent gestiegen, die Lohn- und Gehaltserhöhungen im Laufe dieses Jahres wirken sich aus, eine Erhöhung der Postzeitungsgebühren steht bevor.

Kotau vor dem Öl

Was Bonn betrifft: Den Amerikanern wegen ihrer Waffenlieferungen an Israel erst einen Protest um die Ohren zu schlagen und ihnen dann zu versichern, daß dergleichen in Zukunft nicht mehr vorkommen werde, ist inkonsequent.

Die Union kann noch nichts bieten

Eigene Ungeduld und ein gütiges Geschick haben der Christlich Demokratischen Union in diesem Herbst Bundestagswahlen versagt, sonst wäre eine verblüffende Konstellation womöglich Wirklichkeit geworden.

Zeitspiegel

Bundeskanzler Brandt ist von dem Neubau seines Amtssitzes, mit dem Anfang Dezember begonnen wird, direkt betroffen. Um dem Baulärm zu entgehen, wird er demnächst sein Dienstzimmer im Palais Schaumburg räumen und mit seinen engsten Mitarbeitern in den Bungalow im Park des Kanzleramtes umziehen.

Worte der Woche

„Der CDU hilft es auch nicht weiter, wenn sie uns an jeder Ecke Liebesschwüre zuflüstert. Ebensowenig übrigens der SPD, wenn sie versucht, ihren eigenen Familienkrach in unserem Haus auszutragen.

Entschädigung und Entwicklungshilfe: Milliarden für eine besondere Beziehung

Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel sind von besonderer Art – auch die finanziellen Beziehungen. Sie reichen von der globalen und individuellen Wiedergutmachung für Opfer und Schäden durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, über die einige Jahre lang geleistete Waffenhilfe und die immer enger werdenden Wirtschaftsbeziehungen bis zur Kapitalhilfe.

Nahostkonflikt: Prügelei bei Kilometer 101

Es war ein typischer Kissinger-Kompromiß. In einer Situation trügerischer Waffenruhe an der Suezfront hat er beide Kampfhähne zu überreden vermocht, ein gemeinsames Dokument zu unterschreiben, das jedem erlaubt, sein Gesicht zu wahren.

Postgebühren-Erhöhung: Der düpierte Ehmke

Der Vorschlag von Bundespostminister Horst Ehmke, die Postgebühren drastisch zu erhöhen, hat helle Empörung in der Öffentlichkeit und starken Widerstand in der SPD-Fraktion hervorgerufen: Ehmke habe den Grundsätzen der Stabilitätspolitik in einem höchst unpassenden Zeitpunkt zuwidergehandelt.

Wolfgang Ebert: Alle sauer

In der großen Politik scheinen menschliche, oft allzu menschliche Gefühle eine ähnlich wichtige Rolle zu spielen wie im Privatleben.

FDP-Parteitag: Warnung vor Übermut

Neben mancherlei anderen, für Liberale geeigneten Erkenntnissen aus dem Fundus der Dichter und Denker hielt Walter Scheel für den FDP-Parteitag auch eine Sentenz Jean Amerys bereit: „Der moderne Liberale“, so zitierte er den französischen Philosophen, „vertraut nur seiner Vernunft, aber er traut ihr nicht über den Weg.

"Haltet den Scheel fest!"

Die ersten vier Sitzreihen unter dem Podium in der Rhein-Main-Halle waren für Gäste der Kategorie "very important" und "namentlich zu nennen" reserviert.

Bahr-Kohl: Letztes Gespräch

Im Zeichen harter Anschuldigungen Bonns und Westberlins gegen die DDR gingen am Donnerstag vergangener Woche die Bahr-Kohl-Gespräche vorerst zu Ende.

Vietnam: Dritter Krieg?

Nach Ansicht der Regierung in Saigon hat der „dritte Krieg in Südvietnam“ begonnen. Ein Regierungssprecher erklärte, die kommunistische Seite habe ihre Aktivität „von kleinen Angriffen, denen keiner Beachtung schenkt, zu immer größeren Operationen“ verstärkt.

Elektronische Überprüfung?

Präsident Nixon tat seinen Kritikern zugesichert, er werde in der Tonbandaffäre alle Zweifel an seiner Integrität ausräumen.

Absage Scheels an die CDU

„Der Bundeskanzler und ich haben uns versprochen, auf der Basis des Regierungsprogramms bis zum Ende der Legislaturperiode zusammenzuarbeiten.

Kissinger: „Chinas Wort gilt“

Länger als mit jedem anderen ausländischen Besuchender letzten Jahre – drei Stunden – unterhielt sich der chinesische Parteiführer Mao Tse-tung am Dienstag mit dem amerikanischen Außenminister Kissinger bei dessen sechstem China-Besuch.

„Notwaffe“ gegen Ölmangel

Als „Notwaffe“ bei Ölknappheit hat Bundeswirtschaftsminister Friderichs in der vergangenen Woche ein Energiesicherungsgesetz im Parlament eingebracht.

Gelingt es den Kreml-Dogmatikern, die Uhren zurückzudrehen? Das ist die Frage, die der sowjetische Historiker und Dissident Roy A. Medwedjew auf wirft. Seine in den Westen gelangten Artikel veröffentlicht DIE ZEIT in Auszügen.: Provokation gegen die Entspannung

Die Atmosphäre des „Kalten Krieges“, der schwachsinnigen antisowjetischen und antiwestlichen Propaganda begünstigte in der Sowjetunion keineswegs die Bewältigung der Überreste des stalinschen Totalitarismus und die Verwirklichung demokratischer: Reformen.

Lokalzeit: Sperrung mit Herz

Die Düsseldorfer Altstadt, seit anderthalb Jahrzehnten ein Platz des sauberen Amüsements, als längste Theke der Welt und nimmermüder Magnet für alle Unternehmungslustigen von Bochum bis Bonn gepriesen, ist ins Gerede geraten.

Forstgesetz NRW: Waldöffnung aus Prinzip

Es ist allerdings eine respektable Mauer: Acht Kilometer ist sie lang, übermannshoch, und dahinter verbergen sich Düfte von Welt: Die Mauer umspannt den Hausgarten der 4711-Besitzer Mehl-Mülhens und den Turf ihrer Pferdezuchtanstalt Röttgen.

SPD in Frankfurt: Runde Rettung

Frankfurts Sozialdemokraten verdanken ihren hohen Bekanntheitsgrad über die Rhein-Main-Region hinaus spektakulären Aktivitäten der Parteibasis.

Umweltschutz: Dumme und Kluge

In einem der letzten Hochsommer, nachdem wieder tonnenweise tote Fische den württembergischen Neckar hinuntergetrieben waren, Deutung sich der baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger zu einer legendären Deutung des skandalösen Vorganges: „Nur die dummen Fische“, so der Regierungschef entschuldigend, seien ja am Sauerstoffmangel des heißen Oberflächenwassers zu Grund gegangen.

Rubin-Prozeß: Das vorletzte Urteil

Zu einem Nachfolger von Gandhi und Graf von Stauffenberg stilisierte sich der Mauerklopfer, Farbbeutelwerfer, Fallschirmspringer und Selbstentführer Professor Berthold Rubin (62) vor den Schranken des erweiterten Bonner Schöffengerichts empor.

Klare Fronten an der Kieler Förde

Jochen Steffen empfahl seinem Genossen, „sich einmal untersuchen zu lassen“. Die Delegierten indes forderten ihren Genossen General a.

Hamburger Justiz: Schwieriges Verfahren

Seit Juli 1972 ermittelt Hamburgs Staatsanwaltschaft gegen drei Ärzte, die aus dem Dienst im Zentralkrankenhaus des Untersuchungsgefängnisses (UG) fristlos entlassen worden waren – wegen des Verdachts der Begünstigung einer kriminellen Vereinigung.

Niedersachsen: Bad für Bruns

Pressephotographen machen sich einen Spaß daraus, Bilder vom Wintereinbruch in Hannover bereits im Oktober/November zu veröffentlichen.

Der Mensch selbst

Ein Gebäude besteht aus Wänden und einer Decke und dient einem bestimmten Zweck, zum Beispiel dem Handel mit Waren und Amüsements.

Zeitmosaik

Der welterlöserische Edenismus der sechziger Jahre hatte wenigstens für mich einen sauren Beigeschmack: Er wiederholte noch einmal den ersten Akt eines Stückes der Desillusion.

Die neue Schallplatte

Leos Janáček: „Aus einem Totenhaus“; Tattermuschová, Blachut, Zidek, Horácek, Thein, Joran u. a.............................

Gerangel um ein halbes Prozent mehr Hörerlebnis: Akustische Luxuskarosse

Die Lobby wußte es von Anfang an: Das neue Verfahren bringt Vorteile, darum ist es gut, also müssen wir es haben. Gesucht wurde nur jemand, dem man den Schwarzen Peter, er hemme die Entwicklung in entscheidender Weise, zuschieben konnte, um ihn dann zu entlarven und zu beschimpfen – so geschehen bei einem Hearing, veranstaltet von dem „unabhängigen Verbrauchermagazin“ DM.

Filmtips

„Der Köhler“ von Mohamed Bouamari. Vor zehn Jahren hat der Köhler Belkacem für die Befreiung Algeriens gekämpft, heute lebt er fernab der Zivilisation mit seiner Familie ein ärmliches, archaisches Leben, in dem die Zeit stillzustehen scheint.

Viermal Schauspiel in London: Abwärts mit dem englischen Theater?

Während viele deutsche Bühnen noch immer gar nicht so schlecht von englischen Importen leben, scheint die Flut der dramatischen Talente, die England seit jener denkwürdigen Uraufführung von John Osbornes „Blick zurück im Zorn“, im Mai 1956, erlebt hat, verebbt; die große Zeit der Pinter und Wesker, der Stoppard und Storey, der Arden und Bond scheint vorüber.

Kunstkalender

Eine neue Serie von Stilleben, 15 Blätter aus den Jahren 1970 bis 1972, die Essenz jahrzehntelanger Erfahrungen. Nicholson vereinigt in seinen Stillleben konträre Qualitäten, realistische und rein konstruktive Tendenzen, ihm gelingt das Unwahrscheinliche: die Synthese von Morandi und Mondrian.

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