Eigentlich hatte Professor Carry Huber nur prüfen wollen, ob die populäre Erkältungssalbe „Wick VapoRub“ möglicherweise einen Schutz vor Staphylokokken bietet, vor den kugelförmigen Bakterien, von denen einige Arten zu den Erregern schwerer Krankheiten – zum Beispiel der bakteriellen Pneumonie – gehören. Doch das Ergebnis seines im Auftrag des Vapo-Rub-Herstellers ausgeführten Experiments ließ ernste Befürchtungen bezüglich der Sicherheit des rezeptfreien Arzneimittels aufkommen. Denn die Versuche des Harvard-Professors ergaben, daß Wide VapoRub jedenfalls bei Mäusen die Abwehrkräfte gegen Bakterienbefall drastisch herabsetzt.

Mäuse, die ein mit Staphylokokken angereichertes Aerosol eingeatmet hatten, vermochten in ihrer Lunge 95 Prozent dieser Bakterien zu töten. Diese Immunreaktion aber war wesentlich schwächer bei solchen Tieren, die zuvor eine Einreibung mit Wick VapoRub erhalten hatten. Je mehr ihnen von dieser Salbe auf die Brust gestrichen worden war, desto schwächer wurde ihre Abwehrkraft gegen das Bakterium. Offenbar, so folgerte der Gelehrte, dämpft die in dem VapoRub enthaltene Substanz die Immunreaktion in der Lunge der Nager.

Ob dies auch bei Menschen, die sich Wick VapoRub auf die Brust reiben, eintritt, ist bislang noch nicht ermittelt worden. Das Mäuse-Experiment läßt sich auch nicht ohne weiteres an Menschen wiederholen, weil die pathogenen Staphylokokken zu gefährlich sind, als daß man Versuchspatienten damit absichtlich infizieren dürfte.

Doktor Huber aber hält klinische Experimente, in denen die mögliche Herabsetzung der körpereigenen Bakterienabwehr durch die Anwendung der Einreibe untersucht werden soll, für unerläßlich. Gerade die bakterielle Pneumonie sei eine häufig nach Erkältungen eintretende böse Krankheit, die für zwölf Prozent der Todesfälle bei Kindern unter einem Jahr verantwortlich sei und der auch viele Erwachsene zum Opfer fielen.

Wick-VapoRub-Hersteller Richardson-Merrell, Inc. in New York ließ verlauten, daß in den vielen Jahren, in denen das Produkt als Erkältungsmittel angewendet wurde, niemals auch nur der Verdacht aufgekommen sei, die vaporisierende Salbe könne die bei Mäusen beobachtete Wirkung haben.

Die US-Behörde für die Lebens- und Arzneimittel-Überwachung (Food and Drug Administration) hat bisher lediglich wissen lassen, sie würde das Untersuchungsergebnis von Doktor Huber keineswegs ignorieren.

In der Bundesrepublik wird Wide VapoRub von einer Zweigniederlassung der Richardson-Merrell, „Wick Pharma“ in Groß-Gerau, vertrieben und rezeptfrei in Apotheken feilgeboten.

Thomas v. Randow