In Paris Match war kürzlich ein Bericht über ein modernes deutsches Thema zu lesen. Um es genau zu sagen: über eine deutsche Fernsehsendung, die einem modernen Thema gewidmet war. Mit einem Wort: Fleischeslust. Von dieser Lust wurde eine norddeutsche Hausfrau namens Helga befallen. Und noch dazu im stattlichen Alter von 51 Jahren.

Deutsch im französischen Text stehen die drei Worte: „Kinder, Küche, Kirche“. Und es wird gesagt, daß diese drei Ks bekanntlich die Stützen der deutschen Zivilisation seien, soweit es sich um die Frauen handelt.

25 Millionen Deutsche haben, wie Paris Match schildert, den „revolutionären oder skandalösen Fall dieser Hausfrau“ vorm Fernsehschirm miterlebt. „Sie ist eine Frau, über die man in Deutschland am meisten spricht“, sagt Paris Match und fügt hinzu, was Helga selber meint: „Ich bin auf jeden Fall die glücklichste dieser Frauen.“

Unter so günstigen Umständen braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden, wie Helga per Inserat Männer trifft und es mit ihnen treibt. Denn die Deutschen sind durchs Fernsehen ebenso gut informiert wie jetzt die Franzosen durch-Paris Match. Was wir hier nachtragen müssen, ist allerdings die Antwort auf die Frage: Wie sieht diese deutsche Geschichte in französischen Augen aus?

Da sind zuerst die Namen, neidische, germanische Namen wie Adelheid, Mechthild, Swanhild. Aber es ist auch beachtlich, was die so genannten Töchter daheim in ihrer Freizeit tun. Swanhild (14) schabt das Cello. Mechthild (17) macht Musik mit Muttern. Beide: Flöte. Kind: die komplizierte Klappenflöte. Mutter Helga bläst biedere Blockflöte. Sind die Deutschen denn nicht das Volk der Musiker? Sie sind es. Siehe die Photos!

Auf den Photos in Paris Match ist aber nicht nur Musikalisches zu sehen, sondern auch das groß aufgemachte Porträt Helgas, also-das Äußere der so heiter sexuellierenden Hausfrau. Und hier der Text: „Haare in Unordnung, das Gesicht natürlich und ungeschminkt, ohne Eleganz gekleidet und ... un embonpoint bien allemand“, ein echt deutsches Bäuchlein.

Nicht wahr: Schon diese Worte geben das gewünschte Kolorit. Man sieht Muttern richtig vor sich. Wie sie die Handtasche packt und sich in Neugraben aufmacht nach Hamburg oder sonstwohin, wo sie sich zwecks Fleischeslust mit Männern trifft, die womöglich! jünger sind als sie, die rüstige Fünfzigerin. Ich habe den Eindruck, daß in zweierlei Hinsicht der Paris-Match-Bericht unvollständig oder irreführend ist.