Neu in Museen und Galerien:

Hamburg Bis zum 27. November, Galerie Wünsche: „Ben Nicholson“

Eine neue Serie von Stilleben, 15 Blätter aus den Jahren 1970 bis 1972, die Essenz jahrzehntelanger Erfahrungen. Nicholson vereinigt in seinen Stillleben konträre Qualitäten, realistische und rein konstruktive Tendenzen, ihm gelingt das Unwahrscheinliche: die Synthese von Morandi und Mondrian. Außer diesen Oil Wash-Drawings (eine typisch englische Gattung, bei der das hauchdünn aufgetragene Öl die Funktion von Wasserfarben übernimmt) zeigt die Galerie zwei großartige graphische Zyklen aus den sechziger Jahren, die „Architectural Suite“ nach italienischen Motiven, Pisa, San Gimigniano, Verona, und die Folge „Greek and Turkish Forms“, die zu den großen Leistungen der zeitgenössischen Graphik zählen, in denen der Unterschied von gegenständlicher Prägnanz und linearer Abstraktion aufgehoben ist. Nicholsons 80. Geburtstag im April 1974 wäre ein guter Anlaß für eine umfassende, Retrospektive.

München Vom 23. bis zum 24. November, Karl und Faber: „Kunst Alter und Neuer Meister“

Der Markt für Alte Kunst, speziell für Druckgraphik, ist von konjunktureller Hektik und spekulativen Tendenzen glücklicherweise kaum berührt. Auch das Münchner Auktionshaus rechnet nicht mit sensationellen Preissteigerungen. Die Schätzungen stehen in einer vernünftigen Relation zur Qualität und Rarität der angebotenen Blätter. Das gilt gerade auch für altdeutsche Graphik, die auf dieser Herbstauktion wieder hervorragend vertreten ist, das gilt für Altdorfer (die komplette Folge der 40 Holzschnitte „Tod und Erlösung des Menschengeschlechts“ für 11 000 Mark) und Dürer (die Buchausgabe der Kleinen Holzschnittpassion für 40 000 Mark, „Das Meerwunder“ in einem vorzüglichen Druck des I. Zustands 35 000 Mark, Einzelblätter aus der Kleinen Passion unter 1000 Mark). Höhepunkt dieser Abteilung: einige Kupferstiche von Schongauer, darunter ein Hauptblatt wie „Die Versuchung des Hl. Antonius“ (für 36 000 Mark). Unter den alten Handzeichnungen kann man exzellente und, soweit man nicht auf große Namen, fixiert ist, immer noch erschwingliche Blätter entdecken. Aus der Kunst des 19. Jahrhunderts sind zwei Gemälde hervorzuheben, die zwei konträre Aspekte der Malerei um 1870 charakterisieren: ein impressionistisches Hafenbild von Eugène Boudin (85 000 Mark) und eine arkadische Szene von Hans von Marées, der heute nicht zu den Favoriten gehört und dessen Bilder so gut wie nie auf den Markt kommen (60 000 Mark). In der modernen Kunst scheint sich der Expressionisten-Boom fortzusetzen. Teuerstes Auktionsobjekt ist das Redslob-Porträt von Kirchner aus dem Jahr 1924 mit 240 000 Mark. Was außerhalb des gegenwärtigen Trends liegt, etwa die Graphik von Corinth oder Kubin, ist immer noch relativ preiswert. Auch ein so eminenter Zeichner wie Pascin, von dem ein paar herrliche frühe Blätter angeboten werden, wird offenbar als Außenseiter eingestuft und dementsprechend unterbewertet.

Gottfried Sello

Tübingen Bis zum 2. Dezember, Kunsthalle: „Joseph Beuys, Zeichnungen – Caspar David Friedrich, Zeichnungen“