Edgar Snow war kein Berufsdiplomat, sondern Journalist. Nur so war freilich der Privatmann imstande, das zu leisten, was die offizielle Diplomatie nicht kann: Diplomatie von Volk zu Volk – „Volksdiplomatie“ zu betreiben. Der amerikanische Bürger und bewährte Freund Chinas war es, der die chinesisch-amerikanische Annäherung vermitteln konnte, ohne dabei die Regierungen in Peking und Washington zu kompromittieren.

In einem Gespräch mit Edgar Snow im Dezember 1970 (deutsche Fassung des Textes in ZEITmagazin Nr. 24, 11. Juni 1971) sprach Mao Tsetung wie beiläufig, doch nicht von ungefähr die ebenso „unverbindliche“ wie bedeutsame Einladung aus, Nixon möge doch „als Tourist oder Präsident“ China besuchen. Nixon folgte diesem Signal und traf mit Mao zusammen. Sechs Tage vor diesem spektakulären Gipfeltreffen im Februar 1972 starb in der Schweiz der „Volksdiplomat“ par excellence, Edgar Snow – trotz der Bemühungen jener Ärzte, die Mao ihm gesandt hatte. Im vergangenen Monat schließlich wurde auf dem Gelände der Tsinghua-Universität in Peking, an der Snow einst gelesen hatte, eine Teilbestattung zelebriert.

In deutscher Übersetzung liegt nun das Buch vor, an dem Snow bis kurz vor seinem Ableben (15. Februar 1972) gearbeitet hatte:

Edgar Show: „Die lange Revolution – China zwischen Tradition und Zukunft“; ins Deutsche übertragen von Gerold Dommermuth unter Mitarbeit von Anna Wang; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1973; 304 Seiten, 28,– DM (nicht zu verwechseln mit dem Raubdruck einer „Roten Verlags-Anstalt“, der nur 10, – DM kostet!)

Die Witwe des Autors hat ein Vorwort geschrieben, das mit den Sätzen endet: „Dieses Buch ist nicht verändert worden. Wir haben keinen Versuch unternommen, es zu vervollständigen. Es ist eine unvollendete Arbeit, ein Stück von dem, was hätte sein können, ein Beginn, hinter den das abrupte Ende, das der Tod verfügte, einen Punkt gesetzt hat. Es war noch vieles zu schreiben; dies ist, was geschrieben wurde...“

So kommt es, daß, „was geschrieben wurde“, inzwischen überholt oder bereits anderweitig publiziert worden ist, daß viele Kapitel eher – sich mitunter wiederholende – Notizen des Verstorbenen denn Ausführungen sind. Die Frage, ob der Verstorbene über diese Form der Veröffentlichung glücklich gewesen wäre, mag: dahingestellt bleiben.

Nützlich sind, sein Resümee der Kulturrevolution, Notizen über Akupunktur und Familienplanung, die Analyse der chinesischen Armee und der Volkskommunen und schließlich seine Gedanken über das damals bevorstehende Treffen zwischen Nixon und Mao. Die vielen persönlichen Interviews mit führenden chinesischen Politikern erhöhen die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen. Außer dem eingangs erwähnten Gespräch mit Mao vom Dezember 1970 sind auch die beigefügten Interviews mit Mao im Januar 1965 und mit Tschu En-lai im Jahre 1964 wertvolle Dokumente. Nicht zu übersehen sind die vielen inhaltlich und bibliographisch ergänzenden Anmerkungen des Übersetzers, die das Buch aktualisieren helfen sollen.