Im Zeichen harter Anschuldigungen Bonns und Westberlins gegen die DDR gingen am Donnerstag vergangener Woche die Bahr-Kohl-Gespräche vorerst zu Ende. Bei der 75. Zusammenkunft gab es keine Fortschritte im innerdeutschen Dialog.

Vom 27. November an übernimmt Günter Gaus, Staatssekretär im Bundeskanzleramt und künftiger ständiger Vertreter Bonns in Ostberlin, Bahrs Rolle. Sein Verhandlungspartner dort wird der stellvertretende DDR-Außenminister Kurt Nier.

Am Tage der letzten Begegnung zwischen Bahr und Kohl, der die DDR fortan in Bonn vertreten wird, warf der Westberliner Bürgermeister Schütz der DDR „schamlosen Drang nach Devisen“ als eigentlichen Grund für die Verdoppelung des Mindestumtauschbetrags vor. Die Ostberliner Führung versuchte, im Windschatten des Nahostkonfliktes mit den Problemen der Entspannung auf eine Weise fertig zu werden, die „gegen mehr verstößt als den Geist des Abkommens der Vier Mächte“. Schütz forderte in einem Brief den Ministerpräsident Sindermann die Rücknahme der Verfügung.

Bundeskanzler Brandt hält ein Treffen mit SED-Chef Honecker zur Zeit nicht für zweckmäßig. Die DDR, so sagte er, bleibe für die Bundesrepublik der schwierigste Partner im Warschauer Pakt.