ZDF, Sonnabend, 10. November: „Moskau – nur eine Stadt?“, Regie Herbert Ballmann

Man kann auch als Reporter eine Stadt wie Moskau nicht im „Handstreich“ nehmen, sie ist zu groß und zu vielseitig. Als nun fünf Moderatoren (Wibke Bruhns, Walther Schmieding, Peter M. Bode, Sammy Drechsel, Dieter Thomas Heck) nach Moskau zogen, um Skizzen und Impressionen aus den verschiedensten Gebieten des russischen Lebens heimzubringen, konnte man Schlimmes befürchten. Aber das Schlimme fand nicht statt. Die Ausflügler an die Moskwa waren kompetent, vor allem waren sie fair, unvoreingenommen beim Anschauen und Berichten. Daß bei der Mitteilung von Daten Schnitzer vorkamen, ist nur ein Schönheitsfehler; daß die Einwohnerzahl mal mit acht, mal mit siebenkommaeins Millionen angegeben wurde, liegt kaum an den Moderatoren, eher an den Auskunft gebenden Moskowitern, die es ja zumeist selber nicht so genau wissen. Es gelang den Mainzern ab und zu durchaus, hübsche Pointen in den Kasten zu bekommen. Als ein „Mann von der Straße“ gefragt wurde, was er von unseren Ostverträgen halte, antwortete er in gebrochenem Deutsch pfiffig ausweichend mit einem russischen Sprichwort: „Küken zählt man erst im Herbst“ (zypljata po osseni stschitajut).

Daß keine „maximale“ Lösung zustande kam, steht auf einem anderen Blatt. Viel kritischer Ehrgeiz wurde nicht investiert (was durch das Vorhaben, Impressionen zu sammeln, zum Teil gerechtfertigt ist). Der Film näherte sich dem Stil der Touristenwerbung: Bei einem westeuropäischen Thema wär’s unverzeihlich gewesen; hier mag’s passieren.

René Drommert