Im südisraelischen Hafen Eilat ist seit dem vierten Nahostkrieg der Betriebslärm verstummt. Die Kräne arbeiten nicht, leere Frachter und Tanker ragen mit hohen Rümpfen aus dem Wasser des Golfes von Akaba. Der Zugang zum Hafen wird von Ägypten blockiert.

Was die Ägypter 1967 an der Südspitze des Sinai praktizierten – bis Israel den Stützpunkt Scharm el Scheich besetzte und die Abschnürung seines südlichen Lebensnervs beseitigte –, haben sie nun 2000 Kilometer entfernt davon ungefährdeter wiederholt: Ein Zerstörer und eine Fregatte sorgen dafür, daß kein israelisches Schiff durch die Meerenge von Bab el-Mandeb am Eingang zum Roten Meer nach Eilat gelangt.

Die engste Stelle der alten Sklavenstraße zwischen Ostafrika, dem Sudan und Arabien heißt das „Tor der Tränen“. Sie ist nur 26 Kilometer breit, geteilt durch die kleine, unbewohnte und wasserlose Insel Perim. Jetzt bringt das Tor der Tränen Israels Wirtschaft in arge Not. Über Eilat kamen im vergangenen Jahr drei Millionen Tonnen Fracht ins Land, über 400 000 Tonnen Exporte gingen den umgekehrten Weg. Ohne Eilat wäre die Negev-Wüste nicht kultiviert worden. Die Südroute ist auch wegen des Öls vom Persischen Golf lebenswichtig. Jetzt müssen Tanker für Israel das Kap der Guten Hoffnung umrunden.

Die Sechs-Punkte-Vereinbarung, die US-Außenminister Kissinger in Kairo aushandelte, nennt Bab el-Mandeb nicht. Israelische Kommentatoren mutmaßen, daß die Meerenge deshalb nicht unter die offiziellen Vereinbarungen fällt, um die ägyptischen Konzessionen an Israel und die Vereinigten Staaten nicht zu groß erscheinen zu lassen; daß die Blockade aber stillschweigend aufgehoben werde. In Tel Aviv verlautete jedenfalls, die „Interpretationen“ Kissingers zu dem Abkommen seien zufriedenstellend ausgefallen.

Bab el-Mandeb ist erst seit Herbst 1967 ein neuralgischer Punkt. Damals räumten die Engländer die Kronkolonie und das Protektorat Aden. Der Nachfolgestaat Südjemen übernahm auch das Eiland Perim und kontrolliert seitdem praktisch das maritime Nadelöhr. Am 11. Juni 1971 zeigten die Araber erstmals, daß Israel hier verwundbar ist: Guerillas beschossen mit Raketen den liberianischen Tanker Coral Sea, der beschädigt nach Scharm el-Scheich weiterfuhr.

Die jetzige Blockade wird auch von amerikanischer Seite aufmerksam beobachtet. Nach Erklärungen des State Department ist die Sperrung der Wasserstraße ein Bruch internationalen Rechts. Zwei amerikanische Zerstörer patrouillieren in diesem Gebiet, doch haben sie sich bisher damit begnügt, „die Flagge zu zeigen“.