Düsseldorf

Die Düsseldorfer Altstadt, seit anderthalb Jahrzehnten ein Platz des sauberen Amüsements, als längste Theke der Welt und nimmermüder Magnet für alle Unternehmungslustigen von Bochum bis Bonn gepriesen, ist ins Gerede geraten. Nicht, daß plötzlich Nepp und Strip Einzug gehalten hätten. Nein, das Auto macht den Zugang schwieriger. Dieses Zentrum des Vergnügens unten am Rhein, in dem sich 200 Kneipen im Schatten der altehrwürdigen Stadtpatrons-Kirche St. Lambertus drängeln, erstickt im Blech.

Die Verantwortlichen wußten es längst: In den engen, ganz legal an Parkuhren zugestellten Straßen ist im Ernstfall kein Durchkommen für Feuerwehr und Hilfsdienste. Bisher passierte nichts, und so gab es auch keinen Kläger. Doch einmal mehr wird die Altstadt umgebaut, werden enge Straßen zu Fußgängerbereichen. Der Parkraum, der ohnehin schon lange nicht mehr ausreicht, wird knapper. Der Schock der 0,8 Promille war bald vergessen. Ende Oktober drängten mehr motorisierte Altstadtbesucher denn je in die Meile des Vergnügens. Mit ihren Fahrzeugen blockierten sie die letzten freien Zufahrten. Polizei und Feuerwehr sahen endgültig kein Durchkommen mehr, die Abschleppunternehmer kapitulierten. Wie Monate zuvor in verwaltungsinternem Gespräch forderten sie nun öffentlich, im Interesse der Sicherheit die Altstadt großräumig für die privaten Pkw zu sperren. Für die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, die bisher jede extreme Lösung ihrer Verkehrsprobleme vermieden hat und dank mühevoller, sehr teurer Kleinarbeit und einem großen Parkplatzangebot in der City noch heute den einpendelnden Besuchern ein unbeschwertes Autofahrerleben vorzugaukeln sucht, ist dies eine Herausforderung. Denn noch glauben Düsseldorfs Kommunalpolitiker, Individualverkehr und öffentlicher Nahverkehr könnten, selbst in der City, koexistieren, etwa nach dem Motto: Vorrang für den Nahverkehr ohne Benachteiligung des Individualverkehrs.

Die Polizei ist mit ihrem Alarmruf aus der Phalanx des frommen Selbstbetrugs ausgebrochen. Nun muß diskutiert werden, wie umfangreich und hart der Eingriff ins freie Autofahrerleben ausfallen muß.

Doch Düsseldorf ist nicht zufällig bekannt für jene Variante rheinischer Lebensart, die jeder Situation noch Vorzüge abzugewinnen weiß. Nichts wird hier so heiß gegessen wie serviert. Also wird die Altstadt wohl abgesperrt – im Interesse der Sicherheit –, aber so, daß es kaum stört. Denn Düsseldorf lebt von der Art, den Dingen die Schärfe zu nehmen.

Hans-Joachim Neisser

Redakteur der

„Rheinischen Post“