Der britische Chemiekonzern Courtaulds, bislang bekannt, als Produzent für Kunststoffe, Fasern und Textilien, ging unter die Zigarettenhersteller. Der Neuling führte sich auf dem Markt mit einem Produkt ein, das je zur Hälfte aus Tabak und einem aus Zellstoff entwickelten Ersatzstoff gedreht ist.

Der Start der „Planet“ – so der Name der neuen Zigarette – auf dem – Testmarkt in Coventry löste jedoch sofort eine Kontroverse aus. Gesundheitsminister Sir Keith Joseph sah zwar keinen Grund für die Annahme, „daß ein Raucher dieses Produkts in größerer Gefahr ist als ein Raucher einer Tabakzigarette“. Eher bestehe die Hoffnung, daß das Gegenteil der Fall sei. Der Minister fand es aber „unbegreiflich“, daß der Faserkonzern nicht eine volle Überprüfung des Produkts auf die relative Sicherheit der Zigarette abgewartet habe.

Die Regierung hatte im Frühjahr einen Ausschuß von Wissenschaftlern eingesetzt, um die Tabakersatzstoffe unter die Lupe zu nehmen. Dieses sogenannte Hunter-Komitee hatte es jedoch nicht sonderlich eilig. Es trat erst Ende Oktober zu seiner ersten Arbeitssitzung zusammen. Courtaulds hält daher dem Minister entgegen, das Komitee arbeite zu langsam. Courtaulds habe sechs Jahre getestet und sehe keinen Grund, Zigarette zurückzuhalten.

Courtaulds’ Wohltätigkeit wird von der Tabakkonkurrerz mit Mißfallen verfolgt. Marktführer Imperial Tobacco (Anteil am Zigarettenmarkt zwei Drittel) hat zusammen mit dem Chemiekonzern Imperial Chemical Industries (ICI) ebenfalls einen Tabakersatz auf Zellulosebasis entwickelt und beschlossen, für die Herstellung des neuen Rauchmaterials für zehn Millionen Pfund ein Werk in Schottland zu bauen. ICI will sich jedoch mit dem Start einer neuen Zigarette zurückhalten, bis der Ersatzstoff amtlichen Segen erhalten hat.

Courtaulds will der ministeriellen Rüge zum Trotz versuchen, mit „Planet“ in das Oligopol der drei britischen Tabakgiganten Imperial, Gallaher und Rothmans einzudringen. Die „sichere“ Zigarette bleibt auf dem Testmarkt. Sie gehört nach Teer- und Nikotingehalt in das erste halbe Dutzend der 101 Marken einer Rangliste, die im Frühjahr von der Regierung veröffentlicht wurde. Die Klassifizierung wurde vorgenommen, nachdem die kettenrauchende Maschine „puffing billy“ Zigaretten neun Monate lang auf Teer und Nikotin getestet hatte. Silk Cut extra mild von Gallaher wurde als am wenigsten unsicher eingestuft und die Nachfrage schoß in die Höhe. Auf eine ähnliche Reaktion der von Anti-Zigaretten-Kampagnen verunsicherten Raucher hofft offenbar Courtaulds. wk