Von Ben Witter

Da bog er in die Uhlandstraße ein, mit einem Dackel an der Leine, die Haare in die Stirn gekämmt, schnurgerade liefen sie auf die borstigen Augenbrauen zu. Weißgrau die ganzen Haare jetzt – diesen Kopf kennt ganz Berlin. Das war Texas-Willy, dem immer noch Leute auf die Schulter klopfen und „Hallo, Willy“ sagen, weil er 1949 auf eigene Faust eine Vergeltungsaktion gegen die Einführung der Autobahngebühr durch die DDR einleitete und sich eigenhändig an der Beseitigung der DDR-Straßensperre beteiligte und 1955 sagte: „Jemand muß doch den Anfang machen“, und eigenmächtig drei Bezirksbürgermeister des Ostsektors zur Aufnahme technischer Kontakte aufforderte.

Ich konnte ihm noch nicht die Hand geben, weil er zu dem Dackel sagte: „Sei doch bitte still, Susi, hörst du?“ Aber Susi bellte weiter, und er beruhigte Susi... Das war der Mann, der Adenauer aufforderte, sofort nach der Moskauer Konferenz Gespräche mit dem Ministerpräsidenten der DDR, Otto Grotewohl, aufzunehmen, und 1959 Ehrenbürger des US-Staates Texas wurde. Wir gaben uns die Hand, weil Susi nicht mehr bellte, und fuhren dann zusammen in den fünften Stock des Hauses Uhlandstraße 135 a hinauf.

Die Flurgarderobe steht vor der Wohnung, die Wohnung besteht aus einem Zimmer, eine weiße Schrankwand teilt sie in zwei Teile, hinter, der Schrankwand ist die Küche, aus der Schrankwand kann man zwei Betten herausziehen, die Fußenden stoßen dann fast gegen den Glastisch mit einem Sessel daran, einer Sitzbank und einem Hocker aus braunem Kord. Der Bücherschrank gegenüber der Schrankwand ist auch weiß.