Einige Wertpapierfonds kürzen ihre Ausschüttungen für das am 30. September beendete Geschäftsjahr. Die Verwaltung der Sparkassenfonds räumt ein, daß dieser Schritt bei vielen Anlegern Verärgerung hervorrufen wird. Denn die meisten Investmentsparer verwechseln ihre Ausschüttungen mit Dividenden oder Zinsen. Die Gelder für Investmentausschüttungen fließen aus vielerlei Quellen, nämlich aus Dividendeneinnahmen, Zinserlösen, realisierten Kursgewinnen und Bezugsrechterlösen. Die Auskehrung von realisierten Kursgewinnen und realisierten Bezugsrechterlösen stellt eine Substanzverteilung dar, hat also mit „Rendite“ nichts zu tun.

„Hohe Ausschüttungen von außerordentlichen Erträgen in Baissezeiten verzögern den Ausgleich der eingetretenen Wertminderung in der nachfolgenden Erholungsphase erheblich, da Wertpapiersubstanz ausgeschüttet wird“, begründet die Verwaltung der Sparkassenfonds ihren sicherlich wenig populären Schritt. „Gekürzte Ertragsausschüttungen in Zeiten niedriger Kurse tragen hingegen zu einem schnellen Ausgleich entstandener Buchverluste bei.“

In diesem Fall ist es nicht nur das eigene Geschäftsinteresse, das in der Aufforderung an die Anteilseigner zum Ausdruck kommt, die ausgeschütteten Erträge unter Ausnutzung des Wiederanlagerabatts in zusätzlichen Anteilen wieder anzulegen. Tatsächlich würde die Wiederanlage der Ausschüttungen unter Umständen die Anlageergebnisse erheblich verbessern können, falls – und das ist die Preisfrage – die Fonds in der Lage sein sollten, an etwa wieder aufstrebenden Kursen voll teilzunehmen. Im Falle der Rentenfonds spricht tatsächlich viel für Wertsteigerungen, beim internationalen Aktienfonds Accudeka sind sie zumindest möglich.

Die Aufforderung zur Wiederanlage unter Ausnutzung des Wiederanlagerabatts wäre natürlich glaubwürdiger, wenn früher einmal auf solche Empfehlungen ausdrücklich verzichtet worden wäre, nämlich mit der Begründung, die Kurse befänden sich auf einem gewissen Höhepunkt und der Sparer täte gut daran, durch Verzicht auf Wiederanlage möglichst viel Geld vor der nächsten Baisse zu retten. Von solcher Anlageberatung war jedoch bislang nichts zu hören. Wie könnte das auch sein! Denn logischerweise müßten die Fonds dann wohl auch in bestimmten Zeiten zum Verkauf ihrer Investmentanteile raten und damit ihr eigenes Geschäft schädigen. So weit geht die Beratungsobjektivität nun wirklich nicht. K. W.