Köln

Kinder klettern auf. Mauern, weil sie neugierig sind, was es dahinter gibt. Erwachsene versuchen derzeit bei Köln, den Blick hinter eine Mauer per Urteil zu erzwingen.

Es ist allerdings eine respektable Mauer: Acht Kilometer ist sie lang, übermannshoch, und dahinter verbergen sich Düfte von Welt: Die Mauer umspannt den Hausgarten der 4711-Besitzer Mehl-Mülhens und den Turf ihrer Pferdezuchtanstalt Röttgen.

Die Mauer umspannt allerdings auch 130 Hektar Wald. Und hier setzten die Mauer-Stürmer vor drei Jahren zum Sprunge an, angetrieben vom druckfrischen Landesforstgesetz, das den Nordrhein-Westfalen die Öffnung der Privatwälder zum Zwecke des Spazierengehens zusichert. Lokalpolitiker forderten: „Die Mauer muß weg.“ Forstminister Deneke brachte das Anliegen „wegen der grundsätzlichen Bedeutung“ alsbald vor Gericht.

Bei einem Ortstermin bahnte sich am 6. November nun ein Vergleich an: Röttgen soll zwei Mauerdurchlässe und 24 Hektar Gestütswald für Erholungssuchende öffnen – im Sommer 13, im Winter acht Stunden am Tag.

Wieviel Grünhungrige tatsächlich den Weg hinter die Mauer finden werden, bleibt abzuwarten. Das Bürger-Echo auf das Öffnungsbegehren der Politiker war gering; Haustiere und Eigenheim der Parfürmherren, einzige publikumswirksame Attraktionen hinter der Mauer, bleiben den Erholungssuchenden entzogen: Ein Zaun, den das Land auf eigene Kosten errichten soll, wird den Blick auf die Rennpferde und das Mehl-Mülhens-Schloß Röttgen unmöglich machen.

Im übrigen aber bietet sich den Spaziergängern hinter der Mauer nur eintöniger Hochwald, ein Ziel, das ihnen außerhalb der Mauer weitaus umfänglicher, abwechslungsreich auf Erholung getrimmt und verkehrsgünstiger geboten wird: Dort liegt nämlich, 250mal so groß wie das von privater Mauer und öffentlichem Zaun umgrenzte Mehl-Mülhens’sche Bürgergehege, der staatliche Königsforst. Friedrich K. Kurylo