Von Wolfram Siebeck

Rasso von Weizenklau war ein stolzer Fasan. Er war stolz auf seinen langen Schwanz und auf die Schrotkugel im Oberschenkel, die ihn jeden Witterungsumschwung schon einen halben Tag vor den Laubfröschen merken ließ.

„Haben Sie vorhin auch den Jäger gesehen?“ fragte er das Rebhuhn Amalia nach der Morgenandacht.

„Natürlich!“ antwortete sie und sah sich ängstlich um. „Ein furchtbarer Mensch!“

„Wem sagen Sie das, meine Liebe“, schnarrte Rasso. „War er es doch, der mir eine Kugel ins Bein schoß!“

Amalia wußte es bereits. Sie wußte auch, daß der von Weizenklau ihr die dazugehörige Geschichte jetzt zum zwanzigstenmal erzählen würde, wenn es ihr nicht gelänge, ihn auf ein anderes Thema zu bringen. „Was ich Sie fragen wollte“, sagte sie deshalb schnell, „stimmt das, was die Taube erzählte?“

„Sie meinen die Sache mit meinem Vetter Harald? Aber ja doch! Er ist ein Künstler!“