AEG-Telefunken muß den für Januar geplanten Bildplatten-Start verschieben

Knapp drei Monate nach der glanzvollen Startverkündigung und nur eineinhalb Monate vor dem geplanten Start gab es Schwierigkeiten. Die Ende August auf der Berliner Funkausstellung als technisch „perfekt funktionierende“ und als „marktreif“ gefeierte Bildplatte der AEG/Telefunken (Ted) muß ihren für Januar 1974 geplanten Start verschieben.

Die Gründe werden derzeit von der Frankfurter Konzernzentrale nur „auf Anfrage“ und nur knapp angegeben: „Beim Anlauf der Massenfertigung von Ted-Bildplatten hat sich herausgestellt, daß die Beschaffenheit der sogenannten technischen Tasche, das ist die Tasche, auf der die Bildplatten in den Bildplattenspieler hineingegeben werden, zu gewissen Abspielschwierigkeiten führt.“

Die Ted-Techniker haben nun nach einem neuen Material für die Innentasche zu suchen. Die bisherige Hülle hatte durch Druck die empfindlichen Rillen der PVC-Bildplatte beschädigt. Mutmaßlicher neuer Starttermin: ein bis zwei Monate später.

Damit sind aber die Ted-Schwierigkeiten noch keineswegs am Ende. So hat der Elektrokonzern bislang offensichtlich wenig Glück mit der Lizenzvergabe, vor allem an ausländische Hersteller.

Die deutschen Lieferanten der Bildplattenprogramme – die Großverlage wie Axel Springer, Bertelsmann, Gruner + Jahr – wissen sich allerdings zu trösten. So haben sich die Bertelsmann-Töchter, die UFA-ATB in Hamburg und die Videophon in München (zu je 50 Prozent bei Bertelsmann und Gruner + Jahr), mit ihren Audiovisions-Programmen von den Bildplatten unabhängig gemacht. Die Videophon, so der Leiter für Vertrieb, Marktforschung und Werbung, Burkhard H. Heinke, läßt ihre Produktionen zunächst einmal im Fernsehen abspielen. Zudem werden Fernsehproduktionen über Lizenzen – und damit billiger als Eigenproduktionen – erworben.

Die UFA-ATB beliefert dagegen an Heimkinofreunde ein umfangreiches Super-8-Spielfilmprogramm. Damit sind auch die UFA-Leute unabhängig vom Start der Ted-Bildplatte.

Und auch die Springer-Audiovisionstochter Ullstein AV hat sich bisher nur mit Zurückhaltung dem Bildplattenprogramm gewidmet. Zwar werden schon die Fortbildungsprogramme für Ärzte und Zahnärzte für den Start Anfang 1974 vorbereitet. Doch die Unterhaltungsprogramme für den Massenmarkt bleiben auf Abruf in den Schubladen. Gunhild Freese