In der vorigen Ausgabe der ZEIT haben wir uns, meine verehrten Leser, mit dem Fall des Hamburger Steuerbevollmächtigten Jörn Grimmsmann und seinen Trustee-Firmen beschäftigt. Es handelt sich hierbei um Anlagegesellschaften, denen Hunderte deutscher Investoren ihr Geld anvertraut hatten. Wahrscheinliches Ergebnis: Es ist alles oder zumindest fast alles verloren.

Der Skandal hat auch internationale Bedeutung, denn Grimmsmann schaffte das ihm zur Verfügung gestellte Geld sofort nach Liechtenstein, in die Schweiz, nach England und Panama. Das würde sicherlich noch nicht ausgereicht haben, um Interpol und das Bundeskriminalamt zu mobilisieren. Beide Ämter mußten jedoch eingeschaltet werden, weil im Zusammenhang mit Trustee gestohlene oder gefälschte Wertpapiere aufgetaucht sind. Kenner meinen, daß von den USA (wahrscheinlich durch eine Gruppe der Mafia) entwendete, verfälschte oder gefälschte Wertpapiere im Wert von mindestens einer Milliarde Mark nach Europa verschifft worden sind. Hier warten sie darauf, in den Markt eingeschleust zu werden.

Die europäischen Banken zittern davor, auf diese Papiere hereinzufallen. Deshalb ist das Mißtrauen zu verstehen, wenn unbekannte Personen den Banken Originalaktienurkunden zum Kauf anbieten oder ins Depot einliefern und beliehen haben wollen.

Aber auch gegenüber langjährigen Kunden gehen Banken neuerdings auf Distanz, falls sie mit Originalaktien anrücken. Es kann nicht ausgeschlossen werden, daß die internationale Bande deshalb im Augenblick die Banken selbst meidet und danach trachtet, ihre wertlosen Papiere gegen gutes Geld im ahnungslosen Publikum unterzubringen.

Im Falle Trustee haben es die Anleger den Geldeinsammlern leicht, gemacht. Denn mit einem Fünkchen Mißtrauen trauen hätte sich jeder Geldgeber sagen müssen, daß es hier nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Aber augenscheinlich waren viele Investoren an „rechten“ Dingen gar nicht einmal interessiert.

Wie war es möglich, daß innerhalb relativ kurzer Zeit Jörn Grimmsmann und seine Helfer mehrstellige Millionenbeträge von deutschen Geldgebern einsammeln konnten? Zunächst einmal wurde viel versprochen. Und damit sind, das wissen wir aus den vergangenen Hochzeiten exotischer Fondsverkäufe in der Bundesrepublik, die, leichtgläubigen Deutschen stets zu fangen. Den Anlegern wurden Zinsen von zwei bis neun Prozent monatlich zugesagt, natürlich steuerfrei. Übers Jahr gerechnet ergeben sich hier Zinssätze von 36 bis 108 Prozent!

Wer über diesen hohen Zinssegen erstaunt war und wissen wollte, wie er zustande kommen würde, erhielt – soweit ich aus Strafanzeigen Betroffener ersehen kann – folgende Antwort: „Wir arbeiten mit einem amerikanischen Broker zusammen (,eine hochgestellte Persönlichkeit’). Er verfügt über wertvolle Insider-Informationen, die er für die Trustee-Anleger nutzt.“ Einfachen Gemütern wurde gesagt, daß dieser Broker eben morgens Aktien kauft und sie abends mit Gewinn wieder abstößt. So einfach ist es, an der Börse Gewinne zu machen.