Von Manfred Sack

Arkaden, Treppen, Balkone und Brücken, Erker und winklige Gassen, Nischen, dann und wann ein Baum – warum wohl lieben nicht nur Gäste, sondern die Bewohner der Stadt selber diesen Platz in San Franzisko, auf dem früher einmal eine Konservenfabrik gestanden hatte, die „ausgekernt“ und dann mit neuem Inhalt gefüllt wurde? Vielleicht, weil „The Cannery“ ganz ohne visuelle Gags sich räumlich so dramatisch gibt, ohne zu verwirren, lebendig und abwechslungsreich, aber gewiß auch, weil man sich in diesen Mauern schlicht geborgen fühlt. Die Zeitschrift „Baumeister“ hielt noch andere Erklärungen für möglich: einen uneingestandenen Hang zu Romantischem, die Reaktion auf rüde Kahlschlag-Sanierungen, „denen täglich mehr Bewohnbarkeit zum Opfer fällt, als in zehn Jahren gebaut werden kann“, die Flucht vor Megastrukturen, den gewaltigen, erniedrigenden Kaufburgen der Shopping Centers. Paulhans Peters, der Chefredakteur dieses Blattes, hat das geglückte amerikanische Beispiel wiedergewonnener städtischer Atmosphäre nun auch in sein jüngstes Buch aufgenommen –

Paulhans Peters: „Stadt für Menschen“; Verlag Georg D. W. Callwey, München, 1973; 192 S., 178 Abb., 28,– DM.

In seinem „Plädoyer für das Leben in der Stadt“ sucht Peters ausdrücklich diejenigen Plätze auf, wo dieses so angenehme, vielfach verlorengegangene, ausgemerzte, behinderte „städtische Leben“ am ehesten vonstatten geht – und wo es am plausibelsten wieder angesiedelt werden könnte. Er nennt Fußgängerbereiche; Straßen und Plätze, die wettergeschützt sind wie Passagen, Galerien, Bahnhofs-, Markt-, auch Kulturhallen. Er verlangt mit vollem Recht die „Durchdringung der Baublöcke“ mit Durchgängen, ja mit ganzen Wege- und Höfenetzen, nicht zuletzt die Belebung der Dächer: Warum auch sollte man sie nicht als „Wohnflächen“ in Gebrauch nehmen? Tatsächlich stellt das Buch so etwas wie einen kritischen Ideen-Katalog dar für das Bemühen, möglichst viel von dem, was wir an der Stadt als menschlich begreifen, zu bewahren, wiederzugewinnen, zu assimilieren, neu zu entdecken, Irrtümer zu korrigieren. Es sei denen, die unsere Städte planen, ergänzen, erneuern, abreißen, bebauen ebenso empfohlen wie denen, die darin wohnen – diesen, damit sie erfahren, „was es so alles gibt“, jenen, damit sie auch den Mut wiederfinden, beim Planen in (möglichen) Architekturen zu denken.