Der welterlöserische Edenismus der sechziger Jahre hatte wenigstens für mich einen sauren Beigeschmack: Er wiederholte noch einmal den ersten Akt eines Stückes der Desillusion. Ich sah die „Love“-Girls, „endlich frei“, aber was würde passieren, wenn die Babys kämen?

Arthur Miller in einem „Politischen Brief an die Jugend von einem, der selber einmal jung war“, veröffentlicht in „Esquire“

Was können wir?

Großbritannien hat manches, was andernorts abgeschafft wurde, auch einen Poeta laureatus, einen Krondichter, der Ereignisse im Königshaus bedichten muß. Seit vorigem Jahr hält dieses aus dem siebzehnten Jahrhundert stammende und von Männern wie Ben Jonson, John Dryden und William Wordsworth bekleidete Amt der Autor John Betjeman. Zur Verehelichung der englischen Prinzessin mußte er zum erstenmal in offizielle Aktion treten. Er lieferte dies: „Hunderte Vögel in der Luft / Und Millionen Blätter auf dem Gehsteig / Dann die Glocken, dröhnend / Hin über Palast und die Leute draußen / Alles für das Wort ,Ja‘ / Zu der Liebe heiligster Versklavung – / Was können wir außer jubeln / Mit dem triumphierenden Hochzeitspaar.“

Elektrische Großmutter

Der Apparat, der einem (etwa während stupider Autofahrten) Bücher vorliest, ist leider noch nicht erfunden; dafür eine Art Vorform: ein kleiner batteriegespeister Plattenspieler, den man auf fest in Bücher eingeklebte Schallfolien stellt, an dessen Unterseite eine Scheibe mit dem Abtaststift über die Folie rotiert und an dessen Oberseite ein Lautsprecher wiedergibt, was der Folie eingraviert ist – bei Kinderbüchern können es die gedruckten Texte sein, bei Sprachlehrbüchern Mustersätze, bei Musikbüchern Tonillustrationen. Erfunden wurde das neue Gerät gleich doppelt: einmal in Japan (die internationalen Vertriebsrechte für das konservendosenähnliche japanische Gerät „Librephon“ hat die Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart, erworben) und einmal im oberbayerischen Moosburg (hier heißt der Vorleser „TAI-System“). Das „Librophon“ wird zum gleichen Preis (um 100 Mark) wesentlich mehr Elektronik, einen voluminöseren Klang bieten, dafür wird das „TAI-System“ schon im kommenden Winter zu kaufen sein, zusammen mit zwanzig Büchern, vor allem Kinderbüchern, für die es sich verwenden läßt. Die TAI-Werbung meint, ihr Gerät ersetze die geschichten- und märchenerzählende Großmutter – hoffentlich tut es das nicht. Einen gewissen Gebrauchswert dürften beide Apparate wohl haben; da sie miteinander nicht kompatibel sind, jeder also nur die für ihn bestimmten Folien lesen kann, dürften sie jedoch zunächst ihrem Erfolg selber im Weg stehen.

Im Eimer