Es ist freilich kein ganz billiger Spaß, aber Spaß macht es schon, das Turm-Spiel oder – wie es eigentlich heißt – der Tower, der Turm. Er kommt aus Dänemark, ein rundes, – wa zwanzig Zentimeter hohes Teakholz-Gebilde, massiv, handfest, hübsch anzusehen. Der Turm ist ein reines Glücksspiel. Zwar kann der Spieler sich einbilden, ihn wie einen Sicherheitstresor zu knacken, nicht mit Gewalt, nicht wie ein Schweißer, sondern nach Gehör, mit Gefühl, ja mit Intuition, so wie einschlägige Spezialisten komplizierte Zahlenschlösser öffnen, aber letztlich ist es eben doch nur Glücksache, wie viele Kugeln der Turm freigibt.

Herrlich und erholsam ist die Einfachtheit dieses Spiels, die das Lesen umständlicher Regeln überflüssig macht. Man spielt (zwei bis sechs Teilnehmer) um hölzerne Kugeln beziehungsweise um deren Punktwerte: dunkle Kugeln zählen einen Punkt, helle fünf Punkte, und die einzige rote Kugel zählt zehn Punkte. Von den insgesamt 48 Kugeln erhält jeder Spieler zu Beginn fünf Stück im Wert von neun Punkten. Alle anderen Kugeln kommen oben in den Turm. Der Turm besteht aus drei Trommeln, und jede Trommel hat verschieden viele Löcher, durch die die Kugeln nach unten fallen können und schließlich aus dem Turm wieder herauskullern in den schalenförmig gearbeiteten Fuß.

Ob die Kugeln fallen, hängt davon ab, in welcher Konstellation die Trommeln zueinander stehen. Die Trommeln sind drehbar. Und das Spiel geht nun so, daß man die eigenen Kugeln einsetzt, das heißt, sie in den Turm gibt, und dann durch Drehen an den Trommeln möglichst ein- und wertvolle Kugeln wieder herauszukriegen versucht; für einen eingesetzten Punkt darf man eine Trommel um den neunten Teil einer Gesamtdrehung bewegen. Der Höchsteinsatz liegt bei zehn Punkten, Sieger ist, wer zuerst 25 Punkte hat. Aber es lassen sich natürlich auch andere Spielregeln aufstellen.

Weniger um Glück als eigentlich allein um Geschicklichkeit geht es bei „Master Maze“, einem neuen Spiel von 3 M, bei dem ebenfalls Kugeln ins Rollen gebracht werden müssen, hier jedoch auf einer beweglichen Fläche. „Master Maze“ erinnert an das (vor vierzehn Tagen an dieser Stelle besprochene) schwedische „Labyrinth-Spiel“. Die (sehr viel kleinere) Lauffläche wird über zwei Drucktasten bewegt. Gespielt wird mit fünf Kugeln; man läßt sie nacheinander laufen, und zwar möglichst so, daß sie sich ganz am Ende des zwischen Stegen und Löchern verlaufenden Weges festsetzen. Entscheidend ist die erreichte Punktzahl. Es ist äußerst schwierig, die Bewegungen der Lauffläche so genau zu dosieren, daß die Kugeln langsam und gezielt laufen, und zwar deswegen, weil die Sprungfedern unter der Lauffläche einen Gegendruck ausüben. Und auf manchen wirkt „Master Maze“ recht frustrierend.

Den Gipfel an Frustration aber kann man mit „Hectix“ erreichen, einem anderen Spiel von 3 M. Es wird als ein „raffiniertes dreidimensionales Puzzle“ vorgestellt, und die Hersteller sagen: „Wir kennen einige Ingenieure, die das Problem in einer halben Stunde gelöst haben.“ Das Problem ist, ein aus zwölf Teilen zusammengesetztes Gebilde auseinanderzunehmen und wieder zusammenzusetzen. Dem, der das in einer halben Stunde schafft, sagen die Hersteller: „Sie gehören nicht in diese Welt, Ihre Leistung ist überirdisch.“ Wer es in einer Stunde schafft, wird als „Supergenius“ bezeichnet, wer in zwei Stunden, als noch „außerordentlich begabt“, in drei Stunden, „immer noch besser als der Durchschnitt“. Wer es niemals schafft, der solle es ins Regal stellen; „es sieht doch ganz gut aus und bietet Gesprächsstoff“. Ich stellte es dorthin, nachdem ich an eine Lösung nicht mehr glaubte; auch ein Ingenieur hatte sie nicht gefunden. Im Regal wurde das frustrierende „Hectix“ von meinem vierzehnjährigen Sohn entdeckt. Er sah es sich an, nahm es auseinander und setzte es wieder zusammen – in genau 25 Minuten. Es gibt also doch eine Lösung. Es soll sogar drei geben. Gerhard Prause

Tower – Hergestellt von Skjøde Skjerm in Dänemark (Großhandel in Deutschland: Fa. Henning Glahn, Hamburg), DM 148,-;

Master Maze – von 3M (Düsseldorf), DM 29,50; Hectix – ebenfalls von 3M, DM 29,50.