Vor einem vollständigen Zusammenbruch der Zollabfertigung rettet die Italiener vorläufig der Artikel, 64 ihres Zollgesetzes. Dieser Passus, der dem Leiter einer Zollstelle erlaubt, im Notfall bei Vorlage der Zollpapiere und der Gebührenquittung auf eine Volluntersuchung zu verzichten, ist zur Zeit die einzige Waffe des Staates gegen die Streiks und Bummelstreiks der 5000 Zollbeamten, Viele Dienststellenleiter haben indes Angst, den Paragraphen anzuwenden, weil die Gewerkschaften ihnen für diesen Fall Klagen wegen Pflichtverletzung androhen.

Der Zollstreik ist nichts anderes als eine Fortführung der in den Sommerferien unterbrochenen Auseinandersetzung zwischen der römischen Staatsgewalt und den Zöllnern. Rom verlangt, daß die Zollbeamten auf einen Teil der (ohnehin im Gegensatz zu den EG-Bestimmungen) von den Spediteuren erhobenen Sondergebühren an einen Rentenfonds für Beamte gezahlt werden sollen. Die Zöllner dagegen wollen alle Sondereinnahmen aus Überstunden wie bisher unter der jeweiligen Bürogemeinschaft teilen. Der Streik kostete bereits hunderte von Millionen Mark. Lebendes Vieh, Medikamente und verderbliche Waren wie Frischmilch und ähnliches werden zwar bevorzugt abgefertigt, aber verschimmeltes Brot und vergammelten Käse und verdorbenes Obst ersetzt niemand.

Europas Fernfahrer, deren Verhältnis zum italienischen Zoll ohnehin seit Jahren gespannt ist, schritten jetzt in Mailand nach nutzlosen Protesten zur Gegenaktion. Nach tagelangem Warten umstellten sie das Lkw-Hauptzollamt. Zwölf Stunden lang trotzten 400 Franzosen, Deutsche, Belgier und Holländer dem 200 Mann starken Polizeiaufgebot. Die 26 Zöllner durften abziehen, nachdem sie für den kommenden Tag sofortige Abfertigung versprochen hatten. fg