Von Peter W. Tügel

Das vom Sachverständigenrat für Umweltfragen veröffentlichte Gutachten „Auto und Umwelt“ soll der Bundesregierung in den nächsten Jahren Entscheidungshilfen für die Verkehrspolitik geben. Was empfiehlt das Gutachten? Die ZEIT nimmt in zwei Beiträgen Stellung. Der freie Journalist Peter W. Tügel untersucht heute die Auswirkungen auf den Verkehr der nächsten Jahre, während sein Kollege Jürgen Dahl in vier Wochen den Akzent auf die Umweltschädigung durch das Auto legen wird.

Im Frühjahr trafen Vorboten der amerikanischen Energiekrise die Auto-Stadt Los Angeles nach den Worten eines kalifornischen Politikers „wie ein Erdbeben“. Am Ende der Sommerferien schlugen Kontingentierungsmaßnahmen an italienischen Tankstellen verunsicherte Urlauber in die Flucht. Und jetzt müssen nicht nur Hollands Autofahrer sonntags spazierengehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Grüne, Theater, zu Freunden und Verwandten fahren.

Die Auswirkungen des Ölkrieges, die nunmehr auch die Deutschen und ihr „Lieblingsspielzeug Auto“ (Genscher) nicht verschonen, bestätigen nachträglich die Ergebnisse eines Gutachtens über „Auto und Umwelt“, das der vom Bundesinnenminister eingesetzte Sachverständigenrat für Umweltfragen kürzlich veröffentlichte. Im Einklang mit der M.I.T.-Studie über „Die Grenzen des Wachstums“ hatten die Experten einen Katalog von Kampfmaßnahmen gegen die Ausuferung des Individualverkehrs erarbeitet und ihn nicht zuletzt mit der Begrenztheit der Ressourcen begründet. Für den Fall eines neuen Nahostkrieges hatten sie sogar „katastrophale Folgen“ in Aussicht gestellt. Neun Tage nach der Übergabe ihres Gutachtens begann der Yom-Kippur-Krieg.

Doch diese Bestätigung von außen wird den Kampf um die Forderungen des Gutachtens weder mildern noch abkürzen. Mag das einstimmig verabschiedete Programm engagierten Gegnern des Autos als hilfreiches Herumkurieren an Symptomen erscheinen, so dürfte es den betroffenen Interessengruppen immer noch ausreichend Zündstoff für erbitterte Polemiken liefern. Und da die Autoren den dirigistischen Gehalt der neuen Auto-Politik selbst provozierend herausstellen, steht zu erwarten, daß auch der Warnruf vor einer Bedrohung marktwirtschaftlicher Prinzipien nicht ausbleiben wird.

Angesichts der Fülle von Empfehlungen sind aus dem Gutachten bündige Antworten auf die Verkehrsprobleme der Großstadt kaum herauszulesen. Einfach gibt sich nur die Zielsetzung der neuen Umweltpolitik: ein ausgewogenes Verkehrsangebot zu entwickeln, das Wachstum der Nachfrage nach Automobilen spürbar abzuflachen und durch direkte Auflagen die schädlichen Umwelteinwirkungen des Autos zu vermindern.

Am deutlichsten wird das komplizierte Ineinander möglicher Sofortmaßnahmen, und langfristiger Planung aus der Perspektive der Stadt, die ja den Hauptgewinn haben soll aus dieser umweltfreundlichen Gesamtgestaltung des Verkehrssystems.