Geld ist wie Mist... man sollte es streuen – das ist die Hauptdevise der jetzt 40 Jahre alten holländischen Anlagegesellschaft Robeco (Rotterdamsch Beleggingsconsortium NV, Rotterdam), über die wir, meine verehrten Leser, uns, an dieser Stelle bereits vor einigen Jahren unterhalten haben. Das holländische Unternehmen verwaltet heute Vermögenswerte von rund sieben Milliarden Mark, wobei der Gesichtspunkt der Risikoverminderung durch Streuung Priorität genießt. Robeco ist die größte europäische Anlagegesellschaft. Deshalb erscheint es mir wichtig zu wissen, wie man heute in Rotterdam die Entwicklungslinien der Zukunft sieht.

Wer Aktien der Robeco-Gruppe besitzt (dazu gehört die Anlagegesellschaft „Robeco“ für den Normalsparer, „Rolinco“ für wachstumsorientierte Anleger und „Utilico“ für Leute, die Sicherheit wünschen und ihr Geld deshalb in Versorgungspapieren angelegt haben möchten), ist immer angenehm berührt, mit welcher Freimütigkeit der Vorstand sich zu den Problemen äußert, die mit der Vermögensanlage in engerem oder lockerem Zusammenhang stehen. Der Freimut resultiert aus der völligen Unabhängigkeit der Gesellschaft. Sie ist weder von den Banken noch von Versicherungen oder gar von politischen Gruppen steuerbar. Es gibt keine Interessenkonflikte. Ja, es gibt nicht einmal gesetzliche Beschränkungen in der Anlagepolitik, wie sie deutsche Fonds hinnehmen müssen, denen das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen zum Beispiel nicht einmal erlaubt, Aktien zu erwerben, die nur an der Börse von Hongkong notiert werden. In der Bundesrepublik zahlt Robeco seine Freiheit mit dem Verbot der öffentlichen Werbung. Gleichwohl befinden sich etwa 10 Prozent der Robeco-Anteile in deutschem Besitz. Dieser repräsentiert einen Wert von etwa 700 Millionen Mark, hat also schon beträchtliches Gewicht.

Nun ist Robeco sicherlich in den Augen des Bundesaufsichtsamtes nicht suspekt. Robeco paßt einfach nicht in das deutsche Investment-Recht, denn Robeco (sowie Rolinco und Utilico) sind selbständige Aktiengesellschaften, also rechtlich keine Fonds. Diese besondere Konstruktion erklärt sich aus der Geschichte der Gesellschaft. Sie begann 1929, als sich Rotterdamer Geschäftsleute zu einem Investment-Club zusammenfanden. Er wurde 1933 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Aktien dann 1938 in Amsterdam notiert wurden. Inzwischen ist Robeco an 15 Börsen (darunter fünf deutschen) zugelassen. Hongkong ist die einzige außerhalb Europas. Tokio soll demnächst folgen.

Trotz der inzwischen erreichten Größe sieht der Vorstand Robeco auch heute noch als Investment-Club an. „Wirtschaftlich sind wir eine Genossenschaft von Anlegern“, erläuterte kürzlich Vorstandsmitglied J. A. Verhörst. In der Tat sind bei Robeco Kunden und Eigentümer des Unternehmens identisch.

Bei den deutschen Fonds gibt es das sogenannte „Sondervermögen“, das Vermögen der Anteilsinhaber, und die Fonds-Trägergesellschaft, die sich bei uns in der Regel im Besitz von Banken oder Versicherungen befindet. Die Trägergesellschaft lebt von den Gebühren, die sie nach den Satzungen dem Sondervermögen in Rechnung stellen kann. Darüber, ob die Abgaben an die Trägergesellschaft zu hoch sind oder nicht, gibt es gelegentlich Diskussionen. Bei einigen ausländischen Fonds sind diese Abgaben ein Skandal. Aber diese Fonds wurden eben zum Nutzen der Manager gegründet. Die Anleger waren die zu melkenden, manchmal sogar zu schlachtenden Kühe.

Bei Robeco gibt es diesen Konflikt nicht, was nicht bedeutet, daß die Holländer keine Kosten haben. Schließlich werden 140 bis 150 Personen beschäftigt. Übrigens: Robeco arbeitet auch ohne Einschaltung einer Management Company, also einer Gesellschaft, deren Dienste man für Anlageentscheidungen in Anspruch nehmen, kann. Aus vielen Erfahrungen wissen wir, daß die Interessen einer Fonds- und einer Managementgesellschaft nicht unbedingt gleichlaufen müssen. Es gibt keine Außenstehenden, die an der Verwaltung verdienen. Es gibt aber auch keine Vertreter, die Robeco-Aktien gegen hohe Provisionen unters Volk bringen.

Robeco-Aktien muß man über die Börse, also unter Inanspruchnahme eines Kreditinstituts erwerben. Nicht selten versuchen Banken und ihre Sparkassen aus Eigeninteresse, ihre Kunden vom Erwerb von Robeco-Aktien zurückzuhalten, um an ihrer Stelle Investment-Anteile von Fonds zu verkaufen, an denen ihr Institut beteiligt ist (und verdient). Damit will ich sagen, meine verehrten Leser, daß die Mehrzahl der Robeco-Aktionäre Leute sind, denen die Papiere nicht aufgeschwatzt worden sind, sondern die sich selbst für diese Anlage entschieden haben. So etwas gewährleistet in aller Regel eine gesunde Plazierung.