Von einem weiteren Zeitungssterben ist das SPD-Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ bedroht. Seit Monaten wird in der SPD um die Einstellung des Blattes gerungen. Die bisherigen Macher der Zeitschrift sind schon auf anderen Posten. Jetzt steht noch zur Debatte, ob die Zeitschrift von der „Arbeitsgemeinschaft Selbständige in der SPD“ weiterbetrieben wird. Eine Einstellung von „Bilanz“ wäre ein neuer Beweis dafür, daß die SPD zu ihrer eigenen Parteipresse ein getrübtes Verhältnis hat, vor allem dann, wenn diese Zeitungen journalistisch gestaltet werden und nicht den Vorstellungen von Parteifunktionär ren entsprechen. Erst kürzlich klagte der Chefredakteur des „Vorwärts“, Gerhard E. Grundler, darüber, daß die Partei offenbar kein Zutrauen mehr in die journalistische Qualität ihrer Zeitungen haben, wenn sie bereits dazu übergehen „Einblick“ zu verschenken. Die Zeitschrift wird kostenlos an die Mitglieder abgegeben. Der „Vorwärts“ hat Schwierigkeiten bei der Abonnentenwerbung.

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Wilhelm Bächle, Vorstand bei der „Vereinigten Industrie Unternehmen AG“, wird nach seinem Ausscheiden aus dem bundeseigenen Unternehmen einen Sozialdemokraten als Nachfolger bekommen. Wie aus dem hessischen Wirtschaftsministerium verlautet, hat Finanzminister Helmut Schmidt den in Hessen wirkenden Ministerialdirigenten Peter Graf von Wedel als Nachfolger von Bächle auserkoren. Wedel war vor Jahren Geschäftsführer der deutschen DAM-Mineralölgesellschaft in Düsseldorf.

Rund drei Millionen Mark hat der Bund bisher als Entschädigung für deutsche Vermögensverluste während der Regierungszeit des chilenischen Staatspräsidenten Salvador Allende ausgezahlt. Unter Allende waren Enteignungsmaßnahmen vorgenommen worden, wovon auch deutsche Unternehmen in Chile betroffen waren. Insgesamt sind bisher Entschädigungen von rund zehn Millionen Mark angemeldet worden. Staatssekretär Detlev Karsten Rohwedder erklärte kürzlich daß die chilenische Regierung bereit sei, einen „wesentlichen Teil der verstaatlichten, beschlagnahmten oder unter staatlicher Treuhandschaft gestellten Betriebe zurückzugeben“. Die Rückgabe sei aber unter anderem an die Bedingung geknüpft, daß die Eigentümer auf eine Entschädigung für die Verluste verzichten, die ihnen durch Beschlagnahmen, Betriebsbesetzungen oder staatliche Interventionen entstanden seien.

Gerhard Mertins, Waffenhändler, Inhaber der „Deutschen Merex GmbH“ und Gastronom auf „Gut Buschhof“ bei Bonn, geriet bei der SPD Königswinter und dem Regierungspräsidenten in Köln, Günther Heidecke, SPD, ins Schußfeld, Mertins soll mehrfach auf eigene Faust im Naturschutzgebiet gebaut haben. Im Stadtrat von Königswinter kam es wegen Mertins, der der CDU nahesteht, zu einer heftigen Kontroverse zwischen CDU und SPD. in deren Verlauf die SPD Mertins „Waffenschiebungen“ und von der CDU gedecktes illegales Bauen vorwarf. Mertins: „Ich habe mir im Laufe der Jahre eine Elefantenhaut zugelegt. Bei den Vorwürfen handelt es sich um die üblichen Geschichten gegen mich. Gegen die SPD habe ich jetzt eine einstweilige Verfügung erlassen.“ Im übrigen müssen die Vorwürfe erst einmal geklärt werden.

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Ob die spektakuläre Aktion der Bonner Staatsanwaltschaft bei acht großen Bonner Speditionsfirmen wirklich einen großen Betrugsskandal aufdecken wird, ist noch offen. Der Aktion mit der Beschlagnahme umfangreicher Akten der Firmen liegt der Verdacht zugrunde, daß die Firmen untereinander die Preise abgesprochen und sich gegenseitig Umzugsaufträge Bonner Ministerien zugeschanzt hätten. Ein Bonner Kriminalbeamter meinte zwar: „Wir haben eine gigantische Eiterbeule aufgestochen“, Einzelheiten aber sind bislang nicht bekannt. Vermutet wird, daß bei dem Skandal auch hohe Beamte mitgewirkt haben.