Von Ahmad Naini

Ein Boykott, wie ihn jetzt die arabischen Länder zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele anwenden, ist keineswegs etwas Neues. Neu ist lediglich, daß in diesem Fall die Industriestaaten davon betroffen sind. Denn zuvor waren zumeist sie es, die wirtschaftliche Maßnahmen als Druckmittel gegen die Dritte Welt und die kommunistischen Länder einsetzten.

Nun werden wieder jeden Tag Stimmen laut, die den Teilboykott der arabischen Länder durch einen totalen Stopp westlicher Exporte und Entwicklungshilfe beantworten wollen. Doch ein Handelskrieg als Vergeltungsmaßnahme gegen den arabischen Ölboykott scheint wenig erfolgversprechend zu sein.

Problem Nummer eins wäre dabei die Schaffung einer einheitlichen Boykottfront. Denn solange einige Industrieländer nicht mitspielen, ist die Hoffnung auf Erfolg gering. Schon innerhalb der EG ist eine einheitliche Haltung unwahrscheinlich. Großbritannien und Frankreich sind nicht nur wegen ihrer politischen Motive, sondern auch wegen ihrer bisherigen Erfahrungen nicht bereit, ein Exportembargo zu unterstützen.

Wie Japan über einen Handelskrieg denkt, kann man aus Stellungnahmen von Regierungs- und Wirtschaftskreisen ablesen. Um ihre Industrie vor einer Katastrophe zu schützen, sind die Japaner möglicherweise sogar bereit, ihren politischen Standort gegenüber Israel zugunsten der arabischen Länder zu ändern. Denn im Gegensatz zu den USA und den westeuropäischen Ländern verfügt Japan nicht einmal über unbedeutende eigene Erdölquellen und genügend Kapazitäten in der Kohleförderung.

Unterstellt man dennoch, daß sich die westlichen Industrieländer zu einem totalen Exportembargo sowie Einstellung der Entwicklungshilfe entschließen, so bleibt die Frage, ob solche Maßnahmen überhaupt geeignet sind, diese Länder zu einer Änderung ihres Verhaltens zu zwingen.

Von einem Importembargo wären die arabischen Länder sehr unterschiedlich betroffen. Ägypten, Syrien und Irak sind schon jetzt relativ unabhängig von den Importen aus den westlichen Staaten. Importierte Ägypten 1965 für 189 Millionen Dollar Waren aus den USA, so war es 1972 nur noch für 76 Millionen. Der Handel der EG mit Ägypten hat sich nach dem starken Rückgang nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 langsam verbessert und überstieg mit 236 Millionen Dollar 1972 wieder das Exportniveau von 1965. Die Bundesrepbulik allein hat 1972 für 82 Millionen Dollar Waren geliefert. Die syrischen und irakischen Einfuhren aus den westlichen Industrieländern, vor allem aus den USA, haben im Augenblick kaum noch Bedeutung. Die gesamte EG lieferte 1972 lediglich für 129 Millionen Dollar Waren an Syrien und für 157 Millionen Dollar an den Irak. Das entsprach etwa 22 bzw. 20 Prozent der Gesamtimporte dieser Länder. Während die Importe dieser Länder aus den USA bis zur Bedeutungslosigkeit zurückgingen und aus den EG-Ländern zumindest relativ stark abnahmen, stiegen die Einfuhren aus den sozialistischen Ländern fühlbar an.