Von Rudolf Herlt

Die Dramatik des Beschlusses, den sieben Zentralbanken am 11. November in Basel gefaßt haben, ist nicht gleich auf den ersten Blick zu erkennen. Die dürre Mitteilung des Vorsitzenden des Federal Reserve Systems, Arthur Büros, lautete: „Die Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit den früheren Goldpoolländern beschlossen, das seit dem 17. März 1968 bestehende Abkommen über die Zweiteilung des Goldmarktes zu beenden.“ Der Beschluß berührt die internationale Währungspolitik und die private Goldspekulation.

Mit dem Abkommen vom 17. März 1968 war seinerzeit eine akute Krise entspannt worden. Nach der Abwertung des Pfundes im November 1967 haben die Inhaber von Dollar ihr Mißtrauen dadurch zum Ausdruck gebracht, daß sie ins Gold flüchteten. Auf dem gelben Metall sitzend, wollten sie eine fällige Dollarabwertung abwarten.

Ausmaß und Hektik der Goldnachfrage hätten den Goldpreis damals, wenn er frei gewesen wäre, weit über den Paritätspreis von 35 Dollar je Unze hinausgetrieben. Das durfte aber nicht geschehen, weil eine solche Goldpreiserhöhung gleichzeitig eine Abwertung des Dollars gewesen wäre, zu der sich die USA damals noch nicht bereitfanden. Um den Goldpreis trotz spekulativer Hektik bei 35 Dollar zu halten, hatten sich sieben Zentralbanken – die der USA, Belgiens, der Bundesrepublik, Italiens, der Niederlande, der Schweiz und Großbritanniens – zum sogenannten Goldpool zusammengeschlossen. Frankreich gehörte dieser Notgemeinschaft zur Rettung des Dollars nicht an. Diese sieben Zentralbanken mußten immer dann Gold aus ihren Reserven auf den Markt werfen, wenn der Preis über 35 Dollar zu klettern drohte.

Im Frühjahr 1968 hätte die Spekulation über diesen Mechanismus nach und nach das gesamte Währungsgold aus Fort Knox und aus den Tresoren der Federal Reserve Bank in York, wo die meisten Zentralbanken ihr Gold deponiert haben, in private Horte umlenken können. Die Präsidenten der sieben Zentralbanken eilten in ihrer Not nach Washington und beschlossen am 17. März, künftig kein Gold mehr aus amtlichen Beständen auf dem Markt zu verkaufen und das vorhandene Währungsgold nur noch für den amtlichen Verkehr zwischen den Währungsbehörden zu verwenden. Künftig sollte auch kein Gold auf dem freien Markt gekauft werden.

Seit diesem Tag gab es zwei Goldmärkte: einen amtlichen, auf dem Gold zwischen den Währungsbehörden zum Paritätspreis, also zum amtlichen Festpreis abgerechnet würde, und einen freien, auf dem Angebot und Nachfrage den Preis bestimmten. Auf dem offiziellen Markt ist der Paritätspreis durch die beiden Dollarabwertungen von 1971 und 1973 auf 38 und dann auf 42,22 Dollar gestiegen. Der freie Markt aber wurde zur Spielwiese der Spekulation. Im April 1969 stieg dort der Preis zunächst über 43 Dollar. Als er aber Ende 1969 unter den Paritätspreis von 35 Dollar fiel, wurde Südafrika, der Hauptgoldproduzent, nervös. Der Währungsfonds erklärte sich bereit, neu gefördertes Gold zum Paritätspreis aufzukaufen, wenn der freie Preis darunter sinkt.

Von diesem Zeitpunkt an hatte der freie Goldmarkt einen eingebauten Mindestpreis, unter den der freie Preis nicht fallen konnte. Die internationale Goldlobby hat es dann verstanden, den freien Preis mit kleinen Schwankungen kontinuierlich hochzutreiben, bis er im März 1973 den Rekordstand von 127 Dollar erreichte. Keiner Zentralbank fiel es unter diesen Umständen auch nur im Traum ein, Gold aus ihren offiziellen Beständen zum amtlichen Preis von inzwischen 42,22 Dollar abzugeben. Die amtlichen Goldreserven von mehr als 43 Milliarden Dollar waren praktisch eingefroren.