CDU-Generalsekretär Kurt Biedenkopf sagte auf dem Bundesparteitag in Hamburg:

„Die gewaltsame Besetzung der Zitadellen staatlicher Macht ist nicht länger Voraussetzung für eine revolutionäre Umwälzung der staatlichen Ordnung. Revolution findet heute auf andere Weise statt. Statt der Gebäude der Regierung werden die Begriffe besetzt, mit denen sie regiert, die Begriffe, mit denen wir unsere staatliche Ordnung, unsere Rechte und Pflichten und unsere Institutionen beschreiben. Die moderne Revolution besetzt sie mit Inhalten, die es uns unmöglich machen, die freie Gesellschaft zu beschreiben, und es damit unmöglich machen, in ihr zu leben.

Ist jedoch einmal der Zeitpunkt gekommen, in dem die wichtigsten unserer freiheitlichen Begriffe für die Beschreibung einer freien Gesellschaft nicht mehr taugen, dann ist die freiheitliche Gesellschaft schon deshalb zerstört, weil sie sich nicht mehr darstellen kann. Die neuen Begriffe verlieren die Fähigkeit, Lebenssachverhalte als Sachverhalte menschlicher Solidarität zu beschreiben.

Die hessischen Rahmenrichtlinien in der Gesellschaftskunde sind ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man mütterliche Liebe in klassenkämpferische Konflikte umdeuten kann. Wenn wir dieser Sprache folgen, dann verlieren wir die Fähigkeit, unsere Solidarität auszudrücken und damit die Möglichkeit, unsere Probleme solidarisch zu lösen. Was dies angesichts der neuen Konflikte bedeutet, die die veränderte weltpolitische Lage, die Verknappungserscheinungen in unserem Lande und damit soziale Strukturprobleme mit sich bringen werden, kann nur der ermessen, der sich daran erinnert, wie sehr wir vor 20 Jahren auf Solidarität angewiesen waren, als wir unser Land wieder aufbauten.

Deshalb ist die Auseinandersetzung mit der politischen Sprache von so großer Bedeutung. Wir erleben heute eine Revolution, die sich nicht der Besetzung der Produktionsmittel, sondern der Besetzung der Begriffe bedient. Sie besetzt Begriffe und damit die Information in der freien Gesellschaft, indem sie die Medien besetzt: die Stätten also, die das Produkt herstellen, das für die Zusammenarbeit in einer freien Gesellschaft unverzichtbar ist. Die Schaltstellen der politischen Sprache sind besetzt von Leuten, die davon leben, daß wir uns nicht mehr direkt verstehen.

Wir müssen wieder den Mut haben, auch in der Politik deutsch zu sprechen. Wir unklar spricht, hat nichts zu sagen oder etwas zu verheimlichen. Unsere Argumente sind gut. Sie vertragen eine klare Sprache.“