Von Ronald Granz

Hamburg

Die Ruhe vor dem Sturm konnte die Meteorologen nicht trügen. Knapp eine Woche, bevor am 13. November, dem Jahrestag der letzten Sturmkatastrophe, der Orkan über die Bundesrepublik hinwegfegte und großen Schaden anrichtete, lagen den Wetterfachleuten im Deutschen Seewetteramt in Hamburg Hinweise darauf auf dem Tisch.

Der Orkan erreichte dann pünktlich am 13. November gegen 19 Uhr die Bundesrepublik: Ein intensives Sturmtief peitschte, aus „Europas Schlechtwetterküche“ Island kommend, mit bis zu 150 Kilometern in der Stunde und auf einer Breite von über hundert Kilometern in südwestlicher Richtung über Südschweden, den Skagerak und dann Deutschland.

Gegen die Nordseeküste brandete eine Sturmflut mit Böen bis Stärke 11 und ließ Deiche brechen und Boote kentern. In weiten Gebieten der Bundesrepublik verursachte der Orkan Überschwemmungen, riß Häuser ab und tötete Menschen.

In der Nordsee gerieten Schiffe in Seenot. Das 300 BRT fassende dänische Motorschiff „Balka“ kippte in Kenterlage, die Besatzung konnte von einem Seenot-Rettungsboot geborgen werden. Schlepper mußten das 2000 BRT große zyprische Motorschiff „Kappa Junior“ im Ärmelkanal aus dem Orkan befreien, und deutsche Fischerboote flüchteten in dänische Häfen.

Auch im Binnenland wütete das Unwetter. Am Autobahndreieck Rüsselsheim wurde ein Wagen von einer Bö über die Leitplanke hinweg gegen einen Baum geschleudert. Der 61jährige Fahrer starb. In Lastrup kam ein 62jähriger Maurer ums Leben, als der Sturm eine gerade gesetzte drei Meter hohe Mauer umriß und den Mann unter sich begrub. In Hannover reagierte der Regierungspräsident schnell auf die Vorwarnungen: Über den Rundfunk ließ er Eltern dazu auffordern, ihre Kinder vorzeitig von der Schule abzuholen. In München riß der Sturm Dächer von den Häusern. Auf der Zugspitze registrierten Meteorologen die stärksten Sturmböen in der Bundesrepublik: 170 Kilometer in der Stunde.