Wie sich die Parteiführung durchsetzte

VonEduard Neumaier

Als ob sie die eigene Spannung nicht länger ertragen könnte, machte die Christlich-Demokratische Union am Montag kurzerhand Schluß mit der Mitbestimmungsdebatte. Aber mit ihrem unverdorbenen Sinn für Effekte ließ sie sich ein melodramatisches Finale einfallen. Der Parteitagspräsident bat, sozusagen stellvertretend für die 40 ums Wort gebrachten Delegierten, je einen Repräsentanten zu benennen, der das Für und Wider noch einmal bündeln und in einem letzten Plädoyer Schwankende festigen, Unschlüssige anstoßen und Überzeugte noch selbstsicherer machen könnte. Katzers Truppe schickte Rainer Barzel als letztes Aufgebot, der Parteivorstand Kurt Biedenkopf ins Gefecht.

Nichts hätte den Wandel in der CDU deutlicher machen können als diese Wahl. Der eine, Barzel, setzte auf beschwörendes Pathos, der andere, Biedenkopf, auf kühle Sachlichkeit. Wer nur die Phonstärke des Beifalls registrierte, mußte annehmen, daß Barzels Einsatz die Entscheidung bedeutete. Langer, heftiger Beifall begleitete ihn, als er langsam, im typischen, in den Schultern wiegenden Gang zu seinem Platz bei den Delegierten Westfalens zurückschritt, wo seine Tochter Claudia ihn küßte, als habe er soeben die Schlacht dieses Parteitages geschlagen. Der Beifall für Biedenkopf wirkte dagegen dünn.

Indessen: Der akustische Eindruck war eine Täuschung. Von 667 Delegierten stimmten am Ende 559 gegen Hans Katzer, sein Anhang war auf 97 Treue geschmolzen, elf enthielten sich. Ein Waterloo?

Wer dieses Hamburger Ergebnis mit dem des Düsseldorfer Parteitages vom Januar 1971 vergleicht, könnte es meinen. Immerhin unterstützte damals mehr als ein Fünftel der Delegierten das Horn-Modell der Sozialausschüsse. Auf diesem, zunächst einen Triumph des linken Flügels verheißenden Hamburger Parteitag, scharten sich nur noch knappe 15 Prozent um das Fähnlein der Sozialausschüsse.

Aber diese Zahlen täuschen, denn ohne Katzers hartnäckiges Bohren in den letzten Jahren und ohne Katzers Erfolg im Saarland, im Rheinland, in Westfalen und selbst in Hessen, wo seine Freunde nur knapp unterlagen, wäre das Mitbestimmungsmodell des Parteivorstandes gar nicht möglich und danach gewiß nicht noch verbessert worden. Was die CDU verabschiedete, ist von Katzers Geist, wenn auch nicht nach dessen Willen.