Bei deutschen Charterunternehmen drohen im nächsten Jahr neue Pleiten

Von Kai D. Eichstädt

Ein Jahr nach der dramatischen Pleite der Frankfurter Charterfluggesellschaft Atlantis ist die Branche wieder ins Gerede gekommen: In Hamburg stellte die Aviaction den Betrieb ein. Die hanseatische Fluggesellschaft war die letzte Überlebende des Gründungsbooms der sechziger Jahre. Wie Paninternational. Calais Air Commerz und Atlantis war Aviaction als sogenannte Abschreibungsgesellschaft gegründet worden. Unter Ausnutzung aller steuerlichen Tricks sollten den Kommanditisten – Zahnärzte, Architekten und andere. Mitglieder der oberen Steuerklassen – Verlustzuweisungen der Fluggesellschaften helfen, Einkommensteuern zu sparen. Den Tücken dieser Konstruktion fiel nun auch Aviaction zum Opfer.

Wie branchenüblich lief das Ende der Aviaction in mehreren Akten ab, denn, so lehrt die Erfahrung, Fluggesellschaften sterben langsam. Vor vier Wochen bekamen die ersten Piloten ihre Kündigungsbriefe. Wenige Tage später ließ der deutsch-holländische Flugzeugbauer VFW-Focker zwei Jets der Aviaction per einstweiliger Verfügung an die Kette legen. Schließlich wurden die Kommanditisten gebeten, mit neuen Kapitalspritzen ihre flügellahme Gesellschaft vor dem Konkurs zu retten. Nach dreiwöchiger Agonie war der Schlußstrich noch nicht gezogen: Mangels Masse, so heißt es, könne nicht einmal ein Konkursverfahren durchgeführt werden.

Die Pleite des Hamburger Konkurrenten veranlaßte andere Ferienflieger nicht zu Jubel. Hans-Peter Steingass, Prokurist der Düsseldorfer LTU, kommentierte den Exodus der Aviaction: „Wir finden das sehr traurig.“ Der Kommentar ist nicht von Mitgefühl geprägt. In Düsseldorf fürchtet man, daß nun auch die LTU wieder in das Gerede um den nächsten Absturzkandidaten kommt.

In der Tat haben Deutschlands Ferienflieger zur Zeit wenig Anlaß zu freudiger Stimmung. Unter den derzeit operierenden fünf Fluggesellschaften gibt es kein Unternehmen, das nicht von Nöten geplagt wäre.