15 von 32 Staaten Schwarzafrikas waren französische Kolonien. Die meisten von ihnen wurden 1960 selbständig. Doch noch immer ist der Einfluß Frankreichs stark, vor allem durch die französische Sprache, die in der Mehrzahl dieser Republiken mit einer Fülle einander fremder Idiome (Gabun: über 40) das einzige gemeinsame Verständigungsmittel ist.

Andererseits streben die Afrikaner aus einseitigen Abhängigkeiten fort, wie ihre lückenhafte Beteiligung an der Pariser Konferenz der ehemaligen schwarzafrikanischen Kolonien zeigte, und teilweise tun sie es konsequent: Guinea, Mauretanien und Madagaskar haben die Franc-Zone verlassen; Guinea schon 1958, die beiden anderen in diesem Jahr. Die wirtschaftlich schwer bedrängte Republik Tschad, obwohl monetär noch mit Frankreich verbunden, hat sich politisch ganz zum reichen Nachbarn Libyen hin orientiert; die Beziehungen zu Paris sind gestört.

Außer diesen vier Ländern war auch Kamerun am Dienstag voriger Woche in Paris nicht repräsentiert.

Das Ergebnis des „Gipfeltreffens“ mit allein sechs afrikanischen Staatspräsidenten war zunächst rhetorisch eine Bestätigung des Willens zum Zusammenhalt; die beteiligten Staaten wollen ihn künftig alljährlich durch eine Tagung dieser Art und durch eine Begegnung der Wirtschafts- und Finanzminister unterstreichen. Staatspräsident Pompidou versicherte seinen Gästen: „Die Hilfe für Afrika hat Vorrang.“

Bei den Sachfragen ging es in erster Linie um Währungsprobleme. Dem Verlangen der früheren Kolonien nach mehr Mitsprache wurde Pompidou mit dem Zugeständnis gerecht, daß die Westafrika-, nische Zentralbank mit Afrikanern besetzt werden soll. Die einzelnen Länderwährungen werden untereinander konvertibel gemacht – zu festen Kursen und ohne Beschränkung der Menge. Die Zentralbanken der Franc-Zone deponieren ihre Devisen beim französischen Schatzamt. Mit französischer Hilfe soll eine westafrikanische Entwicklungsbank gegründet werden.

Niger-Präsident Dicri Hamani faßte seinen Eindruck von der Zusammenkunft in die Worte: „Wir haben uns viel zu sagen.“ In der Tat ist Frankreich bisher ungeachtet geringerer und größerer Interessengegensätze aus dem frankophonen Afrika nicht fortzudenken.

Der Wirtschaftsaustausch ist zwar gering: Frankreichs Außenhandelsanteil mit dieser Staatengruppe beträgt, bei aktiver Handelsbilanz, nur fünf Prozent, Aber militärisch und erst recht kulturell sind die Beziehungen stark. Ende 1972 waren 7587 französische Lehrer in den Ländern der Franc-Zone tätig. Die französische Regierung erkennt Diplome aus elf afrikanischen Staaten an. Jedes Jahr vergibt sie 6000 Universitäts- und andere Stipendien an junge Afrikaner. Die kulturelle Entwicklungshilfe erreicht umgerechnet 375 Millionen Mark im Jahr.