Trinken Sie manchmal am frühen Morgen ein Glas Schnaps?“, lautete eine, „Sind Sie auch. werktags manchmal betrunken?“ eine andere Frage, die amerikanische Forscher insgesamt 928 ausgewählten Probanden vorlegten. Trotz solcher Testfragen nach den Trinkgewohnheiten handelte es sich nicht um eine Reihenuntersuchung zum Thema Alkoholismus. Forscher der größten privaten amerikanischen Kranken- und Vorsorge-Versicherungsgesellschaft, dem Kaiser-Permanente-Medical-Care-Program, hatten aus der 250 000 Namen und Krankengeschichten umfassenden Computer-Kartei der Gesellschaft zwei Gruppen von je 464 Versicherten zusammenstellen lassen. Die US-Mediziner wollten mit dem Test den Einfluß von Zigaretten-, Aspirin- und Alkoholkonsum auf spätere Herzerkrankungen bestimmen.

Anfang dieses Monats, auf der Jahrestagung der American Heart Association, referierten die Mediziner von Kaiser-Permanente erstmals die Testergebnisse. Verblüffendstes Teilresultat: Alkoholkonsum steht in keinem Zusammenhang mit dem Herzinfarkt.

„Eine Erklärung für dieses glückliche Testergebnis können wir bislang nicht geben“, erklärten die Forscher, schränkten die für die Alkohol-Liebhaber freudige Botschaft allerdings auch sofort ein. Bislang fehlte der Beweis, „Alkohol schütze in irgendeiner Weise vor einer Herzattacke“.

Dennoch: Die Probanden der Testgruppe, die einen Infarkt erlitten hatten, berichteten weniger häufig von Alkoholikern in ihrer Familiengeschichte als die infarktfreie Vergleichsgruppe. Übermäßiges Trinken könnte, wie die US-Forscher vermuten, einerseits ein Sozialverhalten sein, daß wenn nicht ererbt, so doch zumindest durch Umwelteinflüsse gesteuert werden. Zum anderen könnte die Trink-Gewohnheit „mit genetischen Faktoren zusammenhängen, die gegen die Entwicklung von Herzattacken schützen“.

Zwar geben die Wissenschaftler zu, daß die Ergebnisse ihrer Studie – was den Alkohol angehe – „etwas verwirrend“ seien. Klarer hingegen fielen die Resultate der anderen Teilbereiche aus. Wie in früheren Tests bewiesen, bestätigte sich auch diesmal, daß Zigarettenraucher häufiger einen Infarkt erleiden als Nichtraucher.

Für noch eine zweite und besonders in Amerika prozentual stark vertretene Bevölkerungsgruppe hatten die Infarktforscher von Kaiser-Permanente eine ungute Kunde. Wer häufig und viel das Allerwelts-Schmerzmittel Aspirin schluckt, vergrößert gegenüber den Aspirin-Abstinenzlern sein Infarktrisiko und womöglich an den Folgen der Herzattacke zu sterben, erheblich. kk.