DIE ZEIT

CDU modern

Für das Selbstverständnis der CDU und auch für ihre Wirkung auf die Wähler wird der Hamburger Parteitag der Union ein markantes Ereignis bleiben.

Bonner Baldrian

Die Bundesregierung hat lange gebraucht, bis sie sich den Auswirkungen der Nahostkrise stellte. Lange ließ sie nur Beruhigendes vernehmen.

Rechtswidrig

Das Oberlandesgericht in Celle hat den „Verband Deutscher Flugleiter“ (VDF) fürs erste von der Schizophrenie geheilt, an der er seit Jahren litt: Die Lotsenbruderschaft suchte zwar jeden Bummelstreik ihrer Mitglieder vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, obgleich es an der Illegalität niemals einen Zweifel gab; aber sie wollte die kollektiven Go slows in keinem Fall ausgelöst haben oder auch nur fördernd an ihnen beteiligt gewesen sein.

Panzer gegen Proteste

Revolutionen brechen meistens aus, das hat schon Tocqueville bemerkt, wenn die Dinge sich zum Besseren wenden, nicht wenn sie am schlimmsten sind.

Kissingers schöne neue Welt

In den vergangenen beiden Wochen hat Henry Kissinger die unruhige Welt von Nahost bis Fernost im Jet umkreist. Kometenhaft tauchte er nacheinander in Rabat, Tunis, Kairo, Amman, Riad, Teheran, Islamabad, Peking, Tokio, Seoul auf, ehe er am zwölften Tage wieder in Washington landete.

Paris und die EG: Kalkuliertes Wagnis

Seit einigen Wochen gibt Frankreich Signale zur Aktivierung der europäischen Zusammenarbeit. Am deutlichsten zeigte das die Initiative von Staatspräsident Pompidou für eine Konferenz der Regierungschefs, die Mitte Dezember in Kopenhagen stattfinden wird.

Worte der Woche

„Napoleon fiel in Rußland ein, und der Zar wartete auf den Schnee; Hitler fiel in Rußland ein, und Stalin wartete auf den Schnee; die Israelis fielen in Ägypten ein, und Sadat wartet noch immer auf Schnee.

Zeitspiegel

Der Yom-Kippur-Krieg scheint den israelischen Durchschnittsbürger weniger stark erschüttert zu haben, als bisher angenommen wurde.

Medienpolitik: Keine Patentrezepte für die Presse

Ist Medienpolitik Mode? Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Gerhard Baum, stellte diese Frage auf dem Wiesbadener FDP-Parteitag, weil er sich von unerbetenen Bundesgenossen distanzieren wollte, Denn oft stehen die medienpolitischen Bemühungen diverser Gruppen im Geruch, Ausfluß modischer Gedankenspielereien zu sein.

Präsidenten-Karussell: Warten auf Walter Scheel

Mit gewohnt knurriger Ironie schilderte Herbert Wehner die Situation nach dem Verzicht Gustav Heinemanns auf, eine Verlängerung des Präsidentenamts „Kein Zweifel, daß nunmehr unbekümmert Kandidaten-Karussell gefahren wird.

Vermögensbildung

Nun weiß auch die CDU, wie sie, käme sie an die Regierung, Habenichtse am Produktivvermögen beteiligen würde. Die SPD und die FDP haben ihre Konzepte einzeln schon verabschiedet, aber noch nicht gemeinsam in Gesetzesform bringen können.

Bodenrecht

Als die Sachkunde aufhörte, regierte der Zufall. Mehr als 500 Delegierte des CDU-Parteitages stimmten über ein Programm zur Reform des Bodenrechts ab und kamen dabei zu einem Ergebnis, das ebensogut umgekehrt hätte lauten können.

Mitbestimmung

Der Kampf der Sozialausschüsse und der Jungen Union um die paritätische Mitbestimmung hatte jedoch immerhin dazu geführt, daß der Vorstand den Delegierten in letzter Minute ein Modell für eine Übergangszeit vorlegte, das die Besetzung der Aufsichtsräte in Großunternehmen mit der gleichen Zahl von Anteilseignern und Arbeitnehmern vorsieht.

Wolfgang Ebert: Ufo-Beweis

Ich habe nie an Ufos glauben wollen, aber in letzter Zeit hat man soviel von ihnen gehört, daß mein Zweifel ziemlich erschüttert wurde.

Ein Waterloo für Katzer?

Als ob sie die eigene Spannung nicht länger ertragen könnte, machte die Christlich-Demokratische Union am Montag kurzerhand Schluß mit der Mitbestimmungsdebatte.

Kriegsrecht in Griechenland

Die Unruhen hatten am Mittwoch vergangener Woche im Gefolge eines Prozesses gegen 17 Griechen begonnen und sich zu Straßenschlachten gesteigert, in deren Verlauf die Regierung schließlich Panzer einsetzte und die von 2000 Studenten besetzte Technische Hochschule in Athen gewaltsam räumen ließ.

Kriegsgefangene: Austausch begann

Der Austausch von Kriegsgefangenen des „Jom-Kippur-Krieges“ – ein Punkt der israelisch-ägyptischen Waffenstillstandsvereinbarungen und wichtigste Voraussetzung für Friedensgespräche in Nahost – begann am Donnerstag voriger Woche mit Rotkreuz-Chartermaschinen in direktem Flugverkehr zwischen Ägypten und Israel.

Diplomaten-Puzzle in Nahost

Solange im Nahen Osten geschossen wurde, herrschten wenigstens klare Verhältnisse. Aber in den Wochen bis zum 9. Dezember, an dem nach Willen der Russen-und Amerikaner eigentlich die Friedensverhandlungen zwischen Arabern und Israelis beginnen sollten, werden die diplomatischen Fronten unübersichtlicher denn je sein.

Opfer zur falschen Zeit

Nichts können wir gegenwärtig so wenig gebrauchen wie diese wilden studentischen Demonstrationen!" Der Mann, der mir das sagte, gehört zu den führenden Köpfen der griechischen Opposition, ist Mitglied der Zentrumspartei und ehemaliger Minister.

John F. Kennedys Erbe: Mehr als eine Legende

John F. Kenndy war weit mehr als der 35. Präsident der Vereinigten Staaten. Er repräsentierte die Hoffnung auf einen neuen Typus von Politiker, der alle Menschen – ganz gleich, in welchem gesellschaftspolitischen System sie lebten – mit seinem präzisen, nüchternen Idealismus und mit seinem gezügelten Pathos erreichte und begeisterte.

Lokalzeit: Vom Verkehr überrollt

Sonnborn, noch vor wenigen Jahren ein kleiner, verträumter Stadtteil im Westen Wuppertals mit Fachwerkhäusern und gemütlichen Kneipen, gab dem zur Zeit größten und mit 150 Millionen Mark Baukosten auch teuersten Verkehrsknoten Europas seinen Namen.

Drohende Energiekrise: Kopflos, aber aktiv

Frankfurt Als die ersten Meldungen einliefen, eine außergewöhnliche Energiekrise werde zu außergewöhnlichen Maßnahmen führen, wartete man in den hessischen Gemeinden auf ein Kommando aus dem Landratsamt, die Landräte warteten auf Weisungen des Regierungspräsidenten, die Regierungspräsidenten blickten erwartungsvoll nach Wiesbaden – und die Landesregierung konnte nicht helfen, weil sie auf ein Kommando aus Bonn wartete.

Universität München: Wohin mit den Studenten?

Ihre Motive sind verschieden, ihre Absichten die gleichen: Bayerns Kultusministerium und die Stadt München suchen nach einer Möglichkeit, das Wachstum der Ludwig-Maximilians-Universität, der mit über 32 000 Studenten größten Hochschule der Bundesrepublik, zu begrenzen.

Flucht aus der DDR: Kein Notstand für Kassierer

Es fehle in der Bundesrepublik durchaus nicht an Möglichkeiten, Fluchthelfer zu verfolgen, sondern am guten Willen, dies zu tun, behauptete der Ankläger im Ost-Berliner Fluchthelferprozeß, Generalstaatsanwalt Simon: "Die Tatsache, daß das Strafgesetzbuch der BRD den Begriff des Menschenhandels nicht kennt, bedeutet keineswegs, daß die Aktionen der Menschenhändler etwa mit dem Strafrecht der BRD in Einklang stünden.

Bundeswehr und NPD: Uniform-Stil

Oberstleutnant Dr. Werner Witt fühlt sich nun noch enger mit dem Schicksal des Führerstellvertreters Rudolf Heß verbunden. Beide warten vergeblich auf den Dank des Vaterlandes, der eine hinter Gittern, der andere demnächst vor den Schranken eines Disziplinargerichts.

Deutsche Minderheit in Dänemark: Erfolg oder der Anfang vom Ende?

Hansens Gasthof im nordschleswigschen Tingleff platzte aus allen Nähten; einigen besonders volksbewußten Delegierten platzte der Kragen: Die deutsche Minderheit zwischen Krusau und Königsau hatte sich zwischen nationaler oder rationaler Politik zu entscheiden.

Baden – Württemberg: Monarch ohne Thron

Ich“, so soll nach einer Ballade Kerners der württembergische Herzog Eberhard im Barte irgendwann zwischen Canossa und dem Augsburger Religionsfrieden von sich behauptet haben, „mein Haupt kann kühnlich legen, jedem Untertan in’ Schoß“.

SPD in Köln: Knies um den Kies

Clevere Bauern ackern in den Ballungsräumen des Bundesgebiets nicht mehr mit dem Pflug nach der Bodenrendite. Wo der Untergrund es hergibt, machen sie „Kies“ mit Kies.

Die Sturmkatastrophe vom 13. November: Ein Orkan kommt selten allein

Die Ruhe vor dem Sturm konnte die Meteorologen nicht trügen. Knapp eine Woche, bevor am 13. November, dem Jahrestag der letzten Sturmkatastrophe, der Orkan über die Bundesrepublik hinwegfegte und großen Schaden anrichtete, lagen den Wetterfachleuten im Deutschen Seewetteramt in Hamburg Hinweise darauf auf dem Tisch.

Autoren, mit denen man Staat macht

Von Dieter Hildebrandt Am Freitagabend – eine Aufführung von Heiner Müllers „Zement“ im Berliner Ensemble war gerade zu Ende – lief der Satz über das Leuchtband, das die Friedrichstraße überquert: „Anna Seghers als Präsidentin des Schriftsteller Verbandes wiedergewählt.

Zeitmosaik

Woraus springt eigentlich dieser Ehrgeiz, der Literatur fortdauernd Ohnmacht zu bescheinigen – als hätte sie jemals, soweit sie ernst zu nehmen war, Machtsprüche gedröhnt.

Greifbar nahe: Zentrale Deutsche Kinemathek: Wir Film-Analphabeten

Zwanzig Jahre dauert das Gerangel um eine deutsche Kinemathek. Zwanzig Jahre lang regionale Eitelkeiten, Verzettelung, handfeste wirtschaftliche Interessen, Lobbyismus, ein Kompetenzenstreit auf privater, kommunaler, Landes- und Bundesebene, eine Fehlpolitik mit katastrophalen Folgen.

Die neue Schallplatte

Vier hervorragende Musiker machen Jazz von ganz ungewöhnlich schönem Klang, mit ausgeglichenen Figuren, erfindungsreichen, aber gezügelten Improvisationen, balladesk im ganzen.

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