Schade, daß wir einander nicht sehen konnten: Wir, die 500 Millionen televisionären Teilnehmer der schönen englischen Hochzeit. Wir waren in so farbenfroher Stimmung; wir hatten uns miteinander gefreut,

Denn alle Mitwirkenden. wären sehr, sehr gut. Die königliche Braut, von der es heißt, daß sie Charakter habe, mit anderen Worten, daß sie „nicht mit sich Schlitten fahren läßt“, sah lieblich aus, besonders als sie vorm Altar ihrem jungen bürgerlichen Ehemann Gehorsam schwor, während sie doch im Range eines Obersten steht und er nur Captain ist. Ah, das tut gut. Früher hielten Deutsche so etwas nicht aus. Heute: lässig.

Fanfaren tönten. Kein falscher Ton erklang hier, was etwas heißen will bei diesen Tuthörnern und in dieser verdrehten Welt, oder doch?

Ich sah mich immer wieder nach der Herzogin von Windsor um, die ja ebenfalls eine bürgerliche Königsverwandte ist. Hat jemand sie gesehen? Ob sie vergessen worden war? Bei dieser großartigen Organisation vergessen?

Zu fragen ist, ob nur die Engländer so gut sind, wenn sie weltweit vorm Fernsehen Königinnen krönen, die Einführung eines Prinzen von Wales inszenieren oder eine Prinzessinnenhochzeit feiern. Vermutlich heißt die Antwort: nein. Auch andere Völker sind dafür bekannt, vorausgesetzt, daß sie eine Monarchie besitzen. Und damit wollen wir wehmütig unsere Betrachtung schließen.

Wir Deutschen hätten unseren Kaiser noch, wenn das Fernsehen rechtzeitig erfunden worden wäre. So auch die Österreicher den ihren. Es hätten die Italiener noch einen König, ebenso die Franzosen. Aber warum haben die Griechen sich von ihrem König getrennt? Auch er war in London anwesend. Konstantin, ein junger, photogener Sportsmann, mit seiner dänischen Gattin, die schön ist, wirklich schön.

Vielleicht fragten beide sich, wieso ihnen das passieren konnte. Ja, Fernsehen genügt eben nicht, heute muß es Farbfernsehen sein. Schon wegen der Lakeien in ihren bunten Livreen, die hinten auf die Kutsche aufgehupft sind, und wegen der vier herrlichen Schimmel.