Das Regime Papadopoulos hat mit der Verhängung des Kriegsrechts in Griechenland nach blutigen Zusammenstößen zwischen Studenten und Polizei die Ansätze einer Liberalisierung zunächst erstickt.

Die Unruhen hatten am Mittwoch vergangener Woche im Gefolge eines Prozesses gegen 17 Griechen begonnen und sich zu Straßenschlachten gesteigert, in deren Verlauf die Regierung schließlich Panzer einsetzte und die von 2000 Studenten besetzte Technische Hochschule in Athen gewaltsam räumen ließ. Nach offiziellen Erklärungen gab es sieben Tote und Hunderte von Verletzten. 886 Demonstranten seien verhaftet worden. Die nichtamtlich genannten Zahlen liegen weit höher.

In dem Prozeß waren Haftstrafen bis zu zwei Jahren dafür ausgesprochen worden, daß die Angeklagten nach einer Gedenkfeier für den vor fünf Jahren verstorbenen früheren Ministerpräsidenten Georgios Papandreou gegen die jetzige Regierung demonstriert und sie angeblich beleidigt hatten.

Der Prozeß fand großes Interesse, weil frühere Politiker zugunsten der Angeklagten und gegen die Methoden der Exekutive aussagten. Das Gericht verweigerte die Vorführung eines Films, der das brutale Vorgehen der Polizei gegen die Demonstranten beweisen sollte.

Am nächsten Tag besetzten Studenten die Technische Hochschule und riefen Parolen wie: „Nieder mit den Tyrannen“, „Nieder mit den Berufssadisten“, „Die Macht dem Volk“.

Die Protestkundgebung wurde zu einer gewaltigen Demonstration gegen die Diktatur. Staatspräsident Papadopoulos zeigte sich in einer „Rede an die Nation“ entschlossen, die „Verschwörung einer extremistischen Minderheit gegen die Demokratie und die Normalisierung“ zu zerschlagen.

Das Kriegsgericht verbietet jede Versammlung von mehr als fünf Personen, also auch Fußballspiele, kulturelle Veranstaltungen und die Einladung von Gästen ohne Genehmigung. Waffenbesitz und Lebensmittelhorten werden bestraft. Die Pressezensur ist wieder eingeführt. Damit ist Griechenland voll in den Ausnahmezustand zurückversetzt, mit dem die Militärs ihr Regime 1967 begonnen hatten und den Papadopoulos erst vor drei Monaten mit der Aufhebung des partiell noch bestehenden Kriegsrechts beendet hatte.