Not macht erfinderisch. Die Erdölverknappung könnte einem besonderen deutschen Talent wieder auf die Beine helfen, das nun ein Vierteljahrhundert immer weiter verkümmerte dem Talent zur Improvisation, dem Talent für Behelfslösungen und Ersatzprodukte.

Zunächst muß man sich sprachlich zu behelfen wissen. Was seinen Namen hat, das ist nicht mehr beängstigend unvertraut, damit ist man nicht mehr allein, das läßt sich anpacken.

So entsteht im Augenblick die Sprache der Energiekrise. Nicht so sehr in den offiziellen Verlautbarungen, die möglichst positiv oder doch wenigstens neutral formulieren müssen, was das Volk mit Fassung tragen soll. Wenn Bundesminister Friderichs die kommenden Beschränkungen mit dem Amts-Euphemismus „Maßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung“ belegt, friert der Bürger, dem solchermaßen sprachlich eingeheizt wurde, vielleicht weniger, als wenn von „Verordnungen wegen der Störung der Energieversorgung“ die Rede wäre.

Die Krisensprache schlägt sich zunächst in der Boulevardpresse nieder, nicht in der seriösen Presse, die ein Wort wie „Hamsterkäufe“ noch verschämt in Anführungszeichen setzt.

Wer die Schuld an der Krise trägt, steht rundum fest. Es sind die „Ölscheichs“. Die „Ölscheichs“ sind vorwiegend jene arabischen Militärdiktatoren, die mit den Industrieländern jetzt versuchen, was bisher deren Vorrecht war: zu bestimmen, in welchem Tempo die eigenen Bodenschätze ausgebeutet werden, die Preise zu verlangen, die der Markt hergibt, Handelsbeziehungen an politische Wünsche zu binden. Im Arabischen ist „Scheich“ ein Ehrentitel: ein Dorfältester, ein Beduinenhäuptling. Im deutschen Slang ist das Wort seit langem heimisch: Bertelsmanns „Großes deutsches Wörterbuch“ definiert den Scheich als „weichlichen, unangenehmen Kerl“, „Öl“ fügt ein Element des Schmierigen, Stinkigen, Glatten, Krämerischen hinzu. Im Wort „Ölscheich“ kommt noch einmal der europäische Kolonialhochmut gegenüber den Orientalen hervor, der nun nicht mehr verfängt.

Was neben dem Heizöl knapp wird, ist erst einmal das Benzin. Da keiner gern dauernd „Benzin“ schreibt, werden Varianten gebraucht. „Pistensaft“ ist als eine zum Verbrauch stimulierende Umschreibung nicht mehr angemessen. So kommt der „Sprit“ zu neuen Ehren. „Bild am Sonntag“ bringt Meldungen von der „Spritfront“, denn eine Krise fordert den Soldaten im Deutschen heraus. Die „Hamburger Morgenpost“ ernennt den zuständigen Senatsbeamten zum – „Spritkommissar“.

Das Wort „Eichhörnchen“, vor Jahren lanciert, um zu Vorratskäufen zu animieren, hat jetzt, im Ernstfall, keine Chance. Es wird nicht geeichhörncht, sondern wieder „gehamstert“. Eine neue Unterart des Hamsterers ist neben dem „Tonnenhamsterer“, laut Frankfurter „Abendpost“, die „lächerliche Gilde der Kanisterhamsterer“.