Neu in Museen und Galerien:

Bremen Bis zum 31. Dezember, Galerie – Michael Hertz: „Guttuso: Des Gastmahl“

Ein Gastmahl mit Picasso, für Picasso, für den toten Freund, der zu den Malern heimkehrt, an ihrem Tisch Platz nimmt. Rembrandt präsidiere der Tafelrunde, Cranach, Velasquez sind dabei, auf der anderen Seite sitzen Delacroix und Courbet. Guttusos Phantasie ist unerschöpflich im Erfinden immer neuer Tafelrunden. Picasso unter seinen Freunden und Geschöpfen: Gertrude Stein verspeist das Stilleben der Fische, ihr gegenüber der traurige Harlekin aus der blauen Periode, der blessierte Apollinaire ißt Spaghetti. Das Liebespaar aus „La vie“ und die Fräulein von Avignon werden zur Tafel gebeten, über der die Frau als Guernica die Lampe hält. Der Stier sitzt unter den Tafelnden, die reizende kleine Cranach-Venus legt Picasso den Arm auf die Schulter. Die Figuren solidarisieren sich mit ihrem Meister, Guttuso solidarisiert sich mit Picasso, er ist der einzige Maler, der sich aus künstlerischem Temperament und humanitärem Konsens diese naive, hochherzige und vollkommen glaubwürdige Inszenierung leisten kann. Zwölf Bilder in memcriam Picasso sind in wenigen Monaten entstanden, dazu zwanzig Aquarelle und Zeichnungen, die das Thema teils vorbereiten, teils weiterführen. Die Methode des Zitierens wurde von Picasso selbst legitimiert. Guttuso malt nach Picasso, wie Picasso nach Cranach, Velasquez, Delacroix gemalt hat, nur daß Guttuso auch noch die von Picasso Zitierten zitiert. Zitieren oder interpretieren: es kommt immer noch genug Guttuso ins Spiel, manchmal (zum Beispiel im achten Bild, dem farbig vehementesten der Reihe, „Gewidmet dem Meister der Pietà von Avignon, Grünewald und Picasso“) entschieden zuviel Guttuso. In „Korea“ wiederum wird das Entsetzen des Picasso-Bildes im bemühten Nachvollzug eher verharmlost; Trotzdem, das „Gastmahl‘ zählt zu den großen und überzeugenden Guttuso-Arbeiten. Das Thema hat ihn gefordert, Picasso hat ihn aus seinem bisweilen allzu vordergründigen Realismus und Routineengagement aufgerüttelt.

München – Vom 26. bis zum 28. November, Galerie Wolfgang Ketterer: „Kunst des 19. und 20, Jahrhunderts“

In nicht weniger als fünf Katalogen hat Wolfgang Ketterer die annähernd 3000 Objekte seiner 10. Auktion untergebracht. Das Hauptkontingent (1350 Nummern) entfällt auf das 20. Jahrhundert. Hier ist ungefähr alles vertreten, von den Altmeistern bis zur Gegenwart, von Barlach bis Beuys. Spitzenobjekt unter den nicht sehr zahlreichen Gemälden ein Stilleben von Leger aus dem Jahr 1938, das auf 240 000 Mark geschätzt ist. Bei dem Schätzpreis von 80 000 Mark für das 1909 datierte Nolde-Bild „Boot im Schilf“ kann es sich wohl nur um eine bewußte Untertreibung (oder um einen Druckfehler) handeln. Hoch taxiert und üppig angeboten werden die Maler der Wiener Schule. Erich Brauers „Letzter Sonnenstrahl“ und Hundertwassers „Grüne Türme in der Sonne“ (beides von 1963) sollen 65 000 Mark bringen. Zu den entlegenen und interessanten Arbeiten zählen Blätter von Baskin, eine lavierte Federzeichnung des jungen Kubin, antizipierter Surrealismus Um 1903, sowie ein dadaistisches Gipsrelief von Marcel Janko. Im Sonderkatalog 19. Jahrhundert findet man ein paar sehr schöne und, nicht einmal teure Zeichnungen von Constantin Guys (je 2800 Mark), ein Aquarell von Böcklin mit eigenhändiger Widmung an Frau Defregger (6000 Mark) und, in der Spitzenkategorie, ein Aquarell aus der Faust-Serie von Delacroix (22 000 Mark). Ihren besonderen Akzent erhält die Ketterer-Auktion durch die Sammlung Dr. Pollog, Zürich. Hier wird ein verhältnismäßig unbekanntes Terrain, Druckgraphik des französischen Impressionismus, in systematischer Breite freigelegt. Allein von Pissarro werden 160 Blätter präsentiert, die meisten sind in ungewöhnlich kleiner Auflage, oft unter 20 Exemplaren, gedruckt, die Preise liegen bei 2000 Mark. Auch Manet und Renoir sind mit wichtigen und seltenen Blättern vertreten. Dazu kommt eine exzeptionelle Matisse-Kollektion, die 65 Blätter umfaßt, von den frühen Holzschnitten bis zu den lithographierten Odalisken der zwanziger Jahre.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen: