Am 1. Dezember entscheidet sich die Zukunft der Deutschen Atlantik Linie (DAL). An Bord ihres einzigen Schiffes, „Hanseatic“ (Werbeslogan: „die schöne Hamburgerin“), treffen sich die Schiffseigentümer zu einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung. Einziger Tagesordnungspunkt: Was tun mit dem schönen Passagierschiff?

Auf die Antwort warten die Hypothekengläubiger, die in diesem Jahr weder Zinsen noch Tilgung für ihre Kredite in Höhe von rund 50 Millionen Mark bekommen haben. Insgesamt sind zum Jahresende 7,2 Millionen Mark fällig. Wenn sich die Schiffseigner nicht einigen, soll die „Hanseatic“ zwangsversteigert werden, die DAL müßte Konkurs anmelden.

Schon jetzt steht fest, daß die Gesellschafter (rund 240 Kommanditisten) vor einer schweren Entscheidung stehen. Die Eigentümer der „Hanseatic“ (früher „Hamburg“) sind untereinander zerstritten.

Bis jetzt gibt es ein konkretes Kaufangebot für das moderne Passagierschiff. Die Hapag-Lloyd AG, Deutschlands größte Reederei, will das Schiff zum Preis von ziemlich genau 50 Millionen Mark übernehmen.

Auf dieses Angebot reagierten die Kommanditisten empört. Der Hamburger Zigarettenmaschinenfabrikant Kurt A. Körber, nannte die Offerte schlicht „Diktat eines Interessenten“. Körber ist mit einigen Millionen Mark an der „Hanseatic“ beteiligt und fungiert jetzt als Vorsitzender des DAL-Beirats.

Obwohl die Kommanditisten das Schiff nur ungern unter ausländischer Flagge fahren sehen wollen, mühten sie sich neue Interessenter. für das Passagierschiff zu finden. In Japan, so berichten Beiratsmitglieder, gibt es einen potenten Käufer, „der erheblich mehr auf den Tisch legen würde als Hapag-Lloyd“.

Schon das Gerücht vom Verkauf nach Japan genügte, um eine Rettungsaktion auf privater Ebene zu initiieren. Architekt Eberhard Baunach aus dem hessischen Kronberg, rief auf einer Kreuzfahrt an Bord der „Hanseatic“ die Passagiere zu nationalem Engagement auf. Er gründete mit Gleichgesinnten die „Vereinigung Freunde der Hanseatic“. Gegen die Verpflichtung einen oder mehrere Anteile im Wert von 5000 Mark zu zeichnen, darf jedermann Freund der „Hanseatic“ werden. Insgesamt will der Architekt mit Hilfe der Vereinigung 50 Millionen Mark aufbringen, genausoviel wie Hypotheken auf dem Schiff lasten.