Das Oberlandesgericht in Celle hat den „Verband Deutscher Flugleiter“ (VDF) fürs erste von der Schizophrenie geheilt, an der er seit Jahren litt: Die Lotsenbruderschaft suchte zwar jeden Bummelstreik ihrer Mitglieder vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen, obgleich es an der Illegalität niemals einen Zweifel gab; aber sie wollte die kollektiven Go slows in keinem Fall ausgelöst haben oder auch nur fördernd an ihnen beteiligt gewesen sein.

In Zukunft können der Verband und seine Funktionäre nur noch das eine oder das andere tun: entweder sich bewußt über das Celler Urteil hinwegsetzen, das ihnen verbietet, „die Aktionen der Lotsen als rechtmäßige oder angemessene Reaktion hinzustellen“ – was angesichts der mit dem Spruch verbundenen Strafdrohung sehr teuer käme –, oder aber schweigen.

Ob die klagende Bundesregierung damit mehr als nur einen Achtungserfolg in ihrer nun schon ein halbes Jahr währenden, glücklosen Auseinandersetzung mit den Controllern errungen hat, bleibt abzuwarten. Für die Schadensersatzforderung gegen den VDF, über die Ende des Monats vor dem Landgericht Hannover verhandelt wird, ist das Celler Präjudiz eher negativ. Es nennt wohl den Bummelstreik, was er ist: rechts- und sittenwidrig. Die organisatorische Kraft, die dahintersteht, konnte es jedoch nicht namhaft machen.

Wie heißt es doch in einem bekannten Schlager? „Und dann will es niemand gewesen sein, und keiner hat’s gesehen.“ Der Text ist den Bummellotsen auf den Leib geschrieben. H. Sch.