Hans Friderichs, Bonns Star-Fighter an der Ölfront, schwimmt zur Zeit auf einer Woge der Publicity. Auf allen Kanälen, in allen Gazetten ist der smarte Liberale präsent. Längst schon sehen Beobachter den Wirtschaftsminister nicht mehr, wie noch vor einem Jahr, als kompe-

Weitgehend unbemerkt von der mit der aktuellen Versorgungslage beschäftigten Öffentlichkeit erlitt Friderichs gegen Schmidt letzte Woche jedoch eine empfindliche Niederlage. Weil der Finanzminister die nötigen Mittel nicht lockermachen wollte, bleibt der (neben der Hilfe für den heimischen Steinkohlenbergbau) wichtigste Programmpunkt des Bonner Energiekonzepts, die Bildung eines deutschen Erdölkonzerns, bis auf weiteres Theorie. Anstatt – wie es Friderichs anstrebte – den Gelsenberg-Konzern durch Übernahme eines beim RWE liegenden Aktienpakets von 48 Prozent und ein Abfindungsangebot an die freien Aktionäre zu erwerben und ihn anschließend in die Veba einzubringen, will Bonn jetzt nur den Anteil des RWE übernehmen. Für diese schlechteste aller denkbaren Lösungen muß der Steuerzahler rund 640 Millionen Mark bezahlen. Ein teurer Torso, wenn man bedenkt, daß der Bund mit seiner 40prozentigen Veba-Beteiligung durch die jetzige Transaktion kaum zu einer geschäftspolitischen Verklammerung beider Konzerne kommen dürfte.

Da sich die BASF schon vor Monaten kategorisch geweigert hatte, ihre Tochterfirma Wintershall in den geplanten Ölverbund einzubringen, und auch das RWE seine Ölbasis UK Wesseling nicht hergeben will, kann das ehrgeizige Projekt nunmehr wohl als gescheitert angesehen werden. Der Dilettantismus, mit dem Bonn dabei ans Werk gegangen ist – vor der Veröffentlichung seiner Konzentrationspläne hatte Friderichs nicht einmal mit dem BASF-Vorstand gesprochen –, ist angesichts der drohenden Energiekrise unverzeihlich. Die jetzige Teilverstaatlichung von Gelsenberg an Stelle einer Fusion des Unternehmens mit der Veba läßt Zweifel aufkommen, ob Bonn bei der Vorlage seiner Pläne überhaupt eine Vorstellung hatte, wie teuer uns ein nationaler Ölkonzern zu stehen kommt. Eg