Der Bundesverband Junger Unternehmer startete eine Aktion „Selbständig werden“

Ihr Beruf ist es, Menschen untereinander und mit Kapital zusammenzuführen, um Güter zu erzeugen... Sie spähen nach Marktlücken, nach Problemlösungen und nach der Konkurrenz.“So versuchte noch im letzten Jahr der Wirtschaftsverband der eisen-, blech- und metallverarbeitenden Industrie in Düsseldorf, den Unternehmensnachwuchs zu ködern. Erfolg bis heute: gleich Null.

Der Mannheimer Gabelstapler-Mechaniker Hans Harant beispielsweise mußte sich in den sechziger Jahren mehrere Bankabsagen einhandeln, als er um den nötigen Gründungskredit nachsuchte. Erst eine Sparkasse erklärte sich bereit, ihm beizuspringen. Nur Harants besonderer Begabung beim Reparieren von Gabelstaplern war es zu verdanken, daß er heute mit Erfolg an der Spitze eines selbstgegründeten Unternehmens steht.

Solche Beispiele pflegt der Bundesverband Junger Unternehmer seinen Mitgliedern zur Stärkung des Selbstbewußtseins und der interessierten Öffentlichkeit zur Nachahmung vorzuführen. Am Beispiel nämlich will man demonstrieren, daß es heute noch lohnend ist, den relativ gesicherten Status eines Angestellten aufzugeben und dafür die Risiken der Unternehmensgründung, einzutauschen. Aber offenbar ist man beim Bundesverband Junger Unternehmer zu dem Schluß gekommen, daß auch leuchtende Vorbilder nicht ausreichen, den nötigen Gründungsanreiz zu bieten.

Bereits im Juli beschloß daher sein Hauptausschuß, die BJU-Aktion „Selbständigwerden“ zu starten. Sie soll den „Gedanken des Selbständigwerdens“ fördern, einer „Isolation des selbständigen Unternehmertums“ entgegenwirken und einen „Beitrag zur Belebung des Wettbewerbs in der Wirtschaft“ leisten.

Für die Realisierung dieser weitgesteckten Ziele bedient sich der Unternehmensverband eines Patentsystems: Erprobte Altunternehmer sollen dem Anfänger mit kostenlosem Rat helfen, ihm vor allem das Durchstehen der unvermeidlichen Durststrecke bis zur endgültigen Unternehmenskonsolidierung ermöglichen. Gefördert wird allerdings nur, wer verspricht, mindestens eines der Aufnahmekriterien des BJU zu erreichen: fünf Beschäftigte, 500 000 Mark Jahresumsatz, Eintragung der Firma ins Handelsregister.

Initiator der Aktion ist Ulrich Neuhaus, Geschäftsführer des BJU. Die über 40 Anfragen, die in der Bonner Geschäftsstelle seit dem Start vor einem Monat eingegangen sind, werden bereits als Erfolg gewertet. Die meisten Interessenten kommen aus dem Handwerk oder sind Jungakademiker. Doch wer Freiberufler werden will, zum Beispiel Arzt, Rechtsanwalt, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Unternehmensberater, wird nach den Richtlinien des BJU nicht gefördert.