Die Kosten der Lebenshaltung für alle Haushalte sind, nach den jüngsten Oktober-Daten, im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent gestiegen. Gegenüber den im Frühjahr registrierten Teuerungsraten von 7,9 Prozent ist dies eine erhebliche Abschwächung. Was aber im Bundeswirtschaftsministerium mit einigem Unbehagen beobachtet wird, ist der leichte Anstieg gegenüber dem Plus von 6,2 Prozent im September. Zu einem Teil wird diese Entwicklung, die nicht recht ins Bild der Stabilitätspolitik passen will, mit technischen Änderungen erklärt.

In der Tat nimmt das Statistische Bundesamt seine Berechnungen neuerdings an Hand eines neu zusammengesetzten „Warenkorbs“ vor. Beide, der neue und der alte Warenkorb, waren noch im September um 6,2 Prozent teurer als im September 1972. Da aber Öl und Ölprodukte im neuen Korb ein erheblich stärkeres Gewicht haben, verteuerte er sich im Oktober um 0,4 Prozent. Nach dem alten Warenkorb wäre es nur halb soviel geworden.

Mineralölprodukte haben nunmehr einen Anteil an der Lebenshaltung von 2,99 gegenüber früher 1,8 Prozent. Der höhere Anteil bedeutet: Bei einer Ölverteuerung um 20 Prozent stiege der Index um 0,7 und bei einer 50prozentigen Teuerung um 1,5 Prozent. Der Erzeugerpreisindex wächst bei diesen beiden Preissteigerungsraten noch schneller: um 0,82 bzw. 2,05 Prozent.

Dafür, daß nicht der gesamte Wiederanstieg des Indexes gegenüber September durch teureres Öl verursacht worden ist, hat man ebenfalls eine Erklärung: Die Saison besonders billiger Gemüse- und Obstangebote sei fast zu Ende. Der Sprung in der Statistik resultiere daraus, daß die Preise für diese Produkte 1973 unter dem Durchschnitt lagen.

Einen Rest an Sorge vor dem Angstbild einer „Stagflation“, steigende Preise bei stagnierender Nachfrage, vermag man in Bonn freilich nicht auszuräumen. Indes: Genauere statistische Anhaltspunkte fehlen noch. pl