Wuppertal

Sonnborn, noch vor wenigen Jahren ein kleiner, verträumter Stadtteil im Westen Wuppertals mit Fachwerkhäusern und gemütlichen Kneipen, gab dem zur Zeit größten und mit 150 Millionen Mark Baukosten auch teuersten Verkehrsknoten Europas seinen Namen.

Auf engstem Raum in den Wupper-Talkessel gezwängt, eingeschlossen von dicht besiedelten: Wohngebieten und steilen Hügeln, gleicht das Sonnborner Autobahnkreuz zwei Dutzend ineinander verknäulter Schlangen, die sich in einem schmalen Terrarium ringeln.

Doch wenige Monate vor seiner Fertigstellung ist der Sonnborner Knoten, Teil einer neuen, vierspurigen Autobahnverbindung (A 201) zwischen Düsseldorf und dem östlichen Ruhrgebiet, längst zu klein: „Hätten wir vor zehn Jahren bei der Planung gewußt“, klagte jetzt der leitende, Straßenbauer, „wie sehr die Fahrzeugdichte in diesem Bereich anschwillt, dann hätten wir sechsspurig gebaut.“

Noch 1959 galt die A 201, von Wuppertaler Patrioten „Wupperschnellweg“ in Anlehnung an die Ruhrschnellstraße getauft, als Stadtautobahn. Sie sollte lediglich aus der engen Talsohle der rund 20 Kilometer langen Bandstadt Wuppertal den Durchgangsverkehr herausziehen. In den ersten Plänen war der Sonnborner Knoten nichts weiter als eine autobahnähnliche Straße mit Ab- und Auffahrten für den westlichen Bereich der bergischen Großstadt.

Dann verknüpften die Ingenieure immer neue Straßen, türmten Fahrbahnen bis zu vier Ebenen übereinander, mußten eine Bundesbahnhauptstrecke und die Wuppertaler Schwebebahn mit in das Betongewirr einbeziehen. Mit der (teilweisen) Freigabe des Knotens im November 1972 für den Durchgangsverkehr stand auch fest: Die Straßenbauer hatten lediglich einen Großteil des Fahrzeugstromes, der bisher die bergische Autobahn (Kamen–Leverkusen) benutzt hatte, auf den Wupperschnellweg verlagert.

Wuppertal selbst sonnt sich nun im Ruf, Europas autobahngerechteste Großstadt zu sein. In der Tat: Die 420 000 Einwohner Wuppertals können mit dem Auto von fast allen Punkten der Stadt in wenigen Minuten Autobahnen erreichen, die sie in alle Richtungen führen. Die Gesamtkosten für den Wupperschnellweg: rund eine viertel Milliarde Mark.