• Die EG-Kommission hält daran fest, den Übergang in die zweite Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion zu vollziehen, obwohl die Ziele der ersten noch nicht erreicht worden sind. Warum? Haferkamp: Wir haben es hier mit einem kontinuierlichen Prozeß zu tun. Es wäre falsch, anzunehmen, daß man Fortschritte nur in Etappensprüngen machen könnte. Die Vorschläge, die wir jetzt machen, sind ein wesentlicher Schritt nach vorn in der Wirtschafts- und Währungsunion und im Sinne der Kontinuität wird vieles aufgeholt werden, was in den letzten zwei Jahren nicht erreicht werden konnte. Es wird gleichzeitig sehr viel mehr gemacht werden, als wir uns vor zwei Jahren vorgenommen haben.
  • Zwingende Verfahren zur Konzertierung der Wirtschaftspolitik sind nicht einklagbar. Worauf stützen sie die Hoffnung, daß die Regierungen den alten Schlendrian nicht unter neuen Vorzeichen fortführen?

Haferkamp: Die Verfahren, die wir vorgesehen haben, bringen die verantwortlichen Leute viel häufiger zusammen: im Währungsbereich jede Woche, im Lenkungsausschuß der Staatssekretäre, das ist der Bereich der Wirtschaftspolitik, alle vierzehn Tage, und die Minister jeden Monat. So ist eine permanente Diskussion möglich. Das führt zu gemeinschaftlicher Politik. Die Kommission soll die Einhaltung der Gemeinschaftsbeschlüsse überwachen. Wenn Mitgliedstaaten sich nicht daran halten, soll, es die Kommission vor den Rat bringen können. Das sind keine juristischen Zwänge, aber kein Land wird es sich leisten können, häufiger von den Regeln abzuweichen.

  • Zehn Prozent der Währungsreserven der Mitgliedstaaten sollen beim Europäischen Währungsfonds zusammengefaßt werden. Zu welchem Zweck?

Haferkamp: Für die Einzahlung wird es eine Gutschrift in Rechnungseinheiten geben. Mit diesen Rechnungseinheiten können die Zentralbanken untereinander zahlen. Dadurch würden die Rechnungseinheiten eine reale Grundlage erhalten. Sie dienen als Mittel des multilateralen Saldenausgleichs der Zentralbanken. Später könnte die Rechnungseinheit auch als Abrechnungsmittel zwischen den Zentralbanken und den übrigen Banken verwendet werden. Dies wäre der Ansatz zu einer europäischen Währung. Diese Entscheidung hätte eine erhebliche politische Bedeutung.

  • Im Ausschuß der Zentralbankgouverneure hat es gegenüber dem Gedanken der Poolung eines Teiles der Reserven zum jetzigen Zeitpunkt Bedenken gegeben?

Haferkamp: Die Gouverneure haben sich mit unserem Bericht vom Juni beschäftigt, nicht mit unseren konkreten Vorschlägen. Sie haben eine Reihe von technischen Fragen aufgeworfen. Für die technischen Ratschläge der Gouverneure sind wir dankbar, hier aber geht es um politische Entscheidungen, die von den Ministern zu treffen sind. hhb