Die Mitbestimmung war ein explosives Thema des CDU-Parteitages und zugleich eine Bewährungsprobe für die neue Führung.

Von Nina Grunenberg

Die 160 roten Rasen à 80 Pfennig, die in Coca-Cola-Flaschen und auf den Sitzen – der sogenannten „Konzertbestuhlung“ – des Hamburger Congress Centrums dahinwelkten, waren ein Geschenk von Dietrich Rollmann an die Damen: Als Voisitzender des Hamburger Landesverbandes fungierte er auf dem 22. Parteitag der CDU als Gastgeber. Seine CDU-Karriere währt schon über zwanzig Jahre und begann 1953 auf dem 4. Bundesparteitag, ebenfalls in Hamburg.

Damals saß er noch im Keller und nudelte die Rundschreiben durch. Zum Schluß war Konrad Adenauer zu den Helfern hinuntergestiegen, hatte sich bedankt und „Diddi“ die Hand auf die Schulter gelegt: „Aus Ihnen wird noch mal was, junger Mann“ – einer der wenigen Irrtümer, bisher, des großen Alten.

Die CDU „im Wandel“, die CDU „im Reinigungsbad“, die CDU „auf Anpassungskurs“, die CDU „im Gärungsprozeß“ – auf welchen Nenner die 1500 Journalisten – soviel haben sich noch nie zu einem Parteitag angemeldet – den Zustand der 694 Delegierten auch zu bringen versuchten, befriedigend war keiner. Um sich ihren eigenen Reim zu machen, waren viele Freunde und Ehemalige der Partei selber nach Hamburg gereist.

Zu dieser Gruppe gehörte auch der evangelische Pfarrer Eberhard Stammler, der vor einem Jahr aus der CDU ausgetreten ist. Er hatte sich als Anhänger der Ostpolitik zu erkennen gegeben, und ihm war mitgeteilt worden, er schade der Partei. Heute würde sich in der Parteispitze wohl niemand mehr finden, der einen solchen Brief noch schriebe. Aber eben dies ist auch das Problem vieler CDU-Stamm-Mitglieder: Für diesen rasanten Wandel fehlt ihnen das Training. „Im Kern kommt die Mitgliedschaft, sagt Pfarrer Stammler, wenn er seine alten Freunde Revue passieren läßt, „doch immer noch aus dem katholischen, kleinbürgerlichen und mittelständischen Milieu – mit industriellem Einschlag.“

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